Preis des UNO-Flüchtlingshochkommissariats

Für ihr Engagement in der Flüchtlingsarbeit wurde die Stadt Graz am Mittwoch mit dem Preis des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) ausgezeichnet. Damit ist die steirische Landeshauptstadt die erste Kommune, die die Auszeichnung verliehen bekam.
Bürgermeister Alfred Stingl (S), der den mit 100.000 Schilling (7.276,28 Euro) dotierten Preis aus den Händen der UNHCR-Repräsentantin in Österreich, Karola Paul, entgegen nahm, hat das Preisgeld an acht Grazer Flüchtlingsorganisationen weitergegeben.
"Die steirische Landeshauptstadt setzt seit Jahren höhere Standards, als sie in der österreichischen Flüchtlingspolitik üblich sind", erklärte die UNHCR-Vertreterin in ihrer Laudatio. So gebe es in keiner österreichischen Stadt für Asylwerber und Flüchtlinge so viele "innovative und wirkungsvolle Hilfsangebote" wie in Graz. "Städtische Institutionen, Privatpersonen, kirchliche und karitative Organisationen arbeiten hier zusammen und haben so ein Auffangnetz geschaffen, das in Österreich seinesgleichen sucht", erläuterte Paul die Entscheidung der Jury.
Ausschlag gebend für die Verleihung des Preises sei vor allem gewesen, "dass Graz so konsequent gegen einen flüchtlingsfeindlichen Gesamttrend ankämpft", so Paul. Die UNHCR-Vertreterin hob dabei insbesondere die Rolle des Grazer Bürgermeisters hervor: "Es mag politisch opportun sein, Asylwerber und Flüchtlinge als Schmarotzer und Gefahrenquelle zu denunzieren. Grazer Kommunalpolitiker mit Alfred Stingl an der Spitze sind dieser Verlockung nicht erlegen. Kritik hat der Bürgermeister bewusst in Kauf genommen und ist auf einem politischen Kurs geblieben, der humanitären Prinzipien verpflichtet ist", so die Laudatorin.
"Menschenrecht beginnt im eigenen Haus", meinte Stingl in seiner Replik. Und wenn die Stadt als Haus seiner Bürger gesehen werden könne, so sei hier die erste Verpflichtung, im Sinne der Durchsetzung der Menschenrechte zu handeln. In der Anerkennung durch das UNHCR erkannte der Bürgermeister "ein Symbol für eine Stadt mit wahrgenommener menschlicher Verantwortung". Dennoch gebe es keinen Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. "Es geht vieles, aber eben nicht alles gut in Graz", merkte Stingl durchaus kritisch an. So gebe es insbesondere in Folge der Terroranschläge in den USA den Trend, Angehörige des Islam "in eine negative Richtung" zu drängen. "Wir müssen sensibel hinhören, was die Bevölkerung denkt, sagt und meint, und bei Missverständnis und zu wenig Wissen müssen wir im besten Sinne der Aufklärung weiter wirken", so Stingl.
Stingl dankte den Partnern in der Flüchtlingsarbeit und gab das Preisgeld zu gleichen Teilen an das Afrika Haus, den Comboni Missionaren, die Caritas, die Flüchtlingsvereine Danaida, Isop, Omega und Zebra sowie den Arbeitskreis für Flüchtlingshilfe der Heilandskirche weiter.
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