"Aus Spaß, weil ich zornig war"

Weil sie sich über einen Freier ärgerte, griff eine 44-jährige Wiener Nobelprostituierte zu ihrem Mobiltelefon. Sie schickte dem 53 Jahre alten Internisten mehrere SMS, in denen sie 200.000 Schilling (14.535 Euro) verlangte. Ansonsten würde sie ihm ihre Geldeintreiber vorbeischicken und er müsse dann gut auf seinen Sohn aufpassen. In der letzten Kurzmitteilung hieß es dann: "Das Anthrax ist schon unterwegs." Der Arzt schaltete die Polizei ein, die "Schöne der Nacht" wurde im Wiener Landesgericht wegen versuchter Erpressung zu einem Jahr bedingter Haft verurteilt.
"Es war wirklich nicht Ernst gemeint. Es war Spaß, weil ich zornig war", erklärte die attraktive Mittvierzigerin. "Anthrax? Aus Spaß? Gerade in Zeiten wie diesen", wunderte sich Richter Hermann Fuchslehner. "Ja eh", räumte die Frau ein, "das war, weil wir drüber geredet haben. Wir haben gemeinsam Nachrichten geschaut, über Biowaffen geredet und uns unterhalten."
Der Arzt hatte die Frau im August 2001 über ein Inserat in einer Tageszeitung kennen gelernt. Regelmäßig besuchte er sie in den folgenden Wochen in ihrer "Ordination, oder wie man das nennt" (Richter). Der depressive 53-Jährige dürfte dabei nicht primär "das Eine", sondern hauptsächlich Zuspruch und menschliche Wärme gesucht haben. "Er hat meine Dienste schon in Anspruch genommen. Es ist aber nie so richtig gegangen", drückte sich die Prostituierte nach der heutigen Verhandlung im Gespräch mit mehreren Journalisten aus.
Allmählich begann sie der "Stammkunde" zu nerven. Er setzte sich nackt in ihre Küche und kritzelte das Mobiliar voll. Er war öfters betrunken. Manchmal hielt er sich Tage hinweg bei ihr auf, ohne sich zu duschen. Nicht ein Mal das Gesicht habe er sich gewaschen, klagte die 44-Jährige: "Da wollte ich schon, dass er geht." Zu diesem Zweck telefonierte sie schließlich auch mit seiner Frau. "Die hat gesagt, es ist sehr nett, dass ich sie anrufe. Sie habe eh schon etwas gemerkt. Sie hat gesagt, ich soll kein Mitleid mit ihm haben und ihn in ein Taxi setzen", berichtete die Gunstgewerblerin.
So einfach ließ sich der Arzt aber nicht "abservieren". Er ließ ihr ein Telegramm zukommen, in dem er schrieb: "Lippen schweigen, flüstern Geigen." Damit konnte die Prostituierte nicht viel anfangen. Sie fragte nach, was das bedeute. Der Internist reagierte nicht. "Dann ist mir gekommen, dass das eigentlich gemein war. Da hab ich mir gedacht: 'So, jetzt tu ich ihn ein bisserl ärgern!' Weil er eh immer so ängstlich war."
Mit dem Urteil war die 44-Jährige nach Rücksprache mit ihrem Verteidiger Harald Schuster einverstanden. Die Strafe ist daher rechtskräftig.
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