"Habe mir Verdienste um Frieden erworben"

Das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag (Die Bilder seiner vorherigen Auftritte) hat die Anklage gegen den ehemalige jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic auf Völkermord ausgedehnt. Nach der am Dienstag in Den Haag verlesenen Anklage soll Milosevic im Krieg in Bosnien-Herzegowina (1992-95) Drahtzieher von hunderten Verbrechen gewesen sein, die von serbischen Extremisten verübt wurden. Milosevic wies alle Vorwürfe zurück.
"Ich habe mir Verdienste um den Frieden in Bosnien erworben", erklärte er nach Verlesen der Anklageschrift. "Dieser traurige Text, den wir uns angehört haben, ist der Gipfel der Absurdität", kommentierte Milosevic die Aussagen der Anklagebehörde. Für den Krieg seien andere verantwortlich.
Wie schon bei seinen ersten drei Auftritten vor dem Tribunal lehnte es Milosevic ab, direkt zu den Fragen von Richter Richard May, ob er sich schuldig oder nicht schuldig bekenne, Stellung zu nehmen. Richter May wertete Milosevic' Aussagen als "nicht schuldig". Als er schließlich erklärte, die Verantwortung für den Krieg in Bosnien liege bei "den Mächten, die Jugoslawien gespalten haben, sowie ihren Satrapen", nicht aber bei "Serbien, dem serbischen Volk oder in der serbischen Politik", entzog ihm der Richter das Wort.
Auch bei seinem vierten Erscheinen vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal änderte der frühere jugoslawische Präsident seine Taktik nicht. Mit demonstrativer Langweile und Blicken auf seine Armbanduhr verfolgte Milosevic die Verlesung der Bosnien-Anklage, in der er zum ersten Mal auch des Völkermordes beschuldigt wird.
Die Anklage will die drei Verfahren mit insgesamt 66 Anklagepunkten gegen Milosevic in einem Prozess zusammenfassen, um Zeit zu sparen und Überschneidungen bei den Aussagen voraussichtlich hunderter Zeugen zu vermeiden. Der Prozessbeginn ist bisher für Februar 2002 angesetzt, im Falle einer Zusammenlegung der Verfahren wird sich dieser Termin jedoch vermutlich um mehrere Monate verschieben. Die Prozessdauer wird auf mehr als ein Jahr geschätzt. Nach Angaben eines Mitarbeiters von Chefanklägerin Carla del Ponte könnte der Prozess im nächsten Sommer beginnen.
Neben der Anklage wegen Völkermords werden Milosevic unter anderem Beihilfe zum Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und schwere Verletzungen der Genfer Konventionen während des Bosnien-Kriegs von 1992 bis 1995 vorgeworfen. In der Anklageschrift heißt es, Milosevic sei an einer kriminellen Unternehmung beteiligt gewesen, deren Ziel die dauerhafte Vertreibung der nicht-serbischen Bevölkerungsmehrheit aus weiten Teilen Bosnien-Herzegowinas gewesen sei. Die beiden früheren Anklagen bezogen sich auf Straftaten, die während der Kriege in Kroatien und im Kosovo-Konflikt von Serben begangen wurden.
Milosevic-Tochter am 28. Dezember in Belgrad vor Gericht
Die Tochter des früheren jugoslawischen Präsidenten, Marija Milosevic, wird sich am 28. Dezember vor einem Belgrader Gericht wegen gesetzwidrigen Waffengebrauches zu verteidigen haben. Die Anklage wirft der 38-jährigen vor, das "Leben mehrerer Personen" gefährdet zu haben. Marija Milosevic hatte bei der Festnahme ihres Vaters am 1. April aus zwei Pistolen jene Autos beschossen, in denen Milosevic abgeführt worden war.
Die Tochter des Ex-Präsidenten hält sich seit der Überstellung ihres Vaters Slobodan Milosevic an das UNO-Tribunal Ende Juni in Podgorica auf. Vater Slobodan haben im Gefängnis in Scheveningen in den Niederlanden bisher weder sie noch ihr Bruder Marko besucht.
Familiendrama in St. Pölten16:26
Bluttat: Tochter Zeuge?Vater schoss auf Sohn und richtete sich selbst. Waffenbesitz des 37-Jährigen illegal
Kriminalität20:48
Acht Jahre lang Sklavin19-jährige Deutsche wurde jahrelang misshandelt. Mutmaßliche Täter verhaftet.
Raubvögel vergiftet11:09
Falken ausgerottetBregenz: Taubenzüchter vergiftet gesamte Population am Pfänderstock
