Warnung vor Betrügern in der Umstellungsphase

EU-Kommissionspräsident Romano Prodi hat sich wenige Tage vor der Einführung des Euro-Bargelds am 1. Jänner 2002 zuversichtlich über den Erfolg der neuen Gemeinschaftswährung gezeigt. "Der Euro wird die zweite Weltwährung werden", versicherte Prodi am Freitag bei einer europaweit übertragenen Video-Pressekonferenz vor dem EU-Gipfel in Laeken am 14./15. Dezember.
Mit der Einführung des Eurobargelds werde die europäische Gemeinschaftswährung auch stärker gegenüber dem US-Dollar werden, zeigte sich Prodi überzeugt. Ausdrücklich warnte der Kommissionspräsident vor Euro-Betrügern während der Umstellungsphase.
Prodi sagte, es bereite ihm Sorge, dass die schwächsten Gruppen der Bevölkerung in der Euro-Umstellungsphase Opfer von Betrügereien werden könnten. Der Kommissionspräsident rief die Europäer auf, in dieser Zeit besonders "misstrauisch" zu sein, um nicht auf einmal nur "buntes Papier" nach dem Einkauf oder Geldumtausch in den Händen zu halten.
Die europäischen Volkswirtschaften seien derzeit in einer besseren Lage als die US-Wirtschaft, sagte Prodi. Daher werde sich der Euro zum Dollar künftig stärker verhalten. Prodi zeigte sich überzeugt, dass der Euro weltweit zu einer "Reservewährung" werde. Er räumte aber ein, dass die Märkte bisher "Schwierigkeiten" gehabt hätten, "den Euro zu verstehen".
Nach Ansicht des Kommissionspräsidenten wird die Euro-Einführung langfristige politische und wirtschaftliche Auswirkungen auf die EU-Politik haben. "Der Euro wird einen Prozess der Wandlung auslösen, der nicht bei der gemeinsamen Währung innehalten wird. Wir wissen nicht, wo die Lawine zum Stillstand kommen wird." Die Autonomie der Europäischen Zentralbank (EZB) dürfe nicht angetastet werden, dennoch brauche die EU "zügige und schnellere politische Entscheidungsverfahren" als bisher.
Nach Ansicht Prodi werden EU-Staaten, die nicht der Euro-Zone angehören, einen "großen Preis" für ihre Alleingänge zahlen. Die Euro-Länder bildeten "eine Familie", die eigene wirtschaftspolitische Entscheidungen treffen werden. Großbritannien, Schweden und Dänemark gehören bisher der Euro-Gruppe nicht an.

