Sozialplan-Regelung wird verlängert

Bis Mitte nächsten Jahres verlieren 950 Semperit-Arbeiter ihre Jobs. Hilfe verspricht eine bereits seit 1996 bestehende Arbeitsstiftung, wo die Gekündigten bis zu vier Jahre lang umgeschult werden. Oder bis zu vier Jahre lang Arbeitslose erhalten. Werksleitung und Belegschaftsvertreter des Reifenwerks und Vertreter des Arbeitsmarktservice (AMS) haben Gespräche mit Wirtschaftsminister Bartenstein über die Zukunft des Industriestandortes Traiskirchen geführt. Es ging nicht nur um Hilfe für die Arbeiter. Sondern auch um eine mögliche industrielle Nachfolgelösungen für den Standort Traiskirchen. Die Chance, dass die Reifenproduktion weiter geht, ist laut Bartenstein "eher klein".
Bartenstein meint jedoch, er wolle allerdings "nicht die Flinte ins Korn werfen und um jeden Arbeitsplatz kämpfen". Er kündigte an, in den nächsten Tagen Gespräche mit potenziellen Interessenten zu suchen, auch die Betriebsansiedlungsgesellschaft ABA werde auf Investorensuche gehen.
"Wir sind seit gestern für Conti gestorben, vielleicht sind wir es für die österreichische Wirtschaft noch nicht", meinte Semperit-Betriebsratsobmann Alfred Artmäuer nach dem Gespräch mit dem Minister. Artmäuer musste aber einräumen, dass sowohl die Reifenproduktion im Rahmen des Continental-Konzerns, als auch eine "stand alone"-Position keine Optionen mehr seien.
Semperit-Geschäftsführer Hans-Georg Hirschl wertete die Gespräche positiv, sie hätten geholfen die Betroffenen sozial abzufedern und ihnen durch berufliche Weiterbildungschancen zu geben.
Arbeitsstiftung wird ausgebaut
Die rund 950 bis Mitte nächsten Jahres von der Kündigung betroffenen Semperit-Mitarbeiter können in eine bereits seit 1996 bestehende Arbeitsstiftung wechseln, wo sie bis zu vier Jahre lang umgeschult werden können. Das Arbeitsmarktservicezahlt den Teilnehmern monatlich eine dem Arbeitslosengeld entsprechende Summe. Zusammen mit einem kleinen, vom Unternehmen getragenen Betrag sollen die Stiftungsteilnehmer die notwendigsten Lebensbedürfnisse abdecken können. Gesprochen wurde von einem Durchschnittsbetrag von rund 13.000 S netto.
Umschulung und Ausbildung bezahlen Semperit/Conti, pro Jahr und Person werden mit Ausbildungskosten von rund 100.000 S gerechnet.
Verlängert wurde bei Semperit auch die seit 1996 bestehende Sozialplan-Regelung. Soziale Härten drohen für Beschäftigte, die seit weniger als drei Jahren bei Semperit beschäftigt waren: Sie haben weder Anspruch auf Abfertigung noch auf Zahlungen aus dem Sozialplan.
Der Continental-Konzern rechnet nach Meinung von Betriebsratschef Artmäuer damit, dass sich die gesamten Schließungskosten - also nicht nur der Sozialplan - auf 70 Mill. Euro belaufen werden. Dieser Ansatz werde sich als zu gering herausstellen, meinte Artmäuer.

