Mittwoch, 5. Dezember 2001

Von 1.500 Jobs könnten nur 200 übrig bleiben!

Es scheint fix zu sein! Die Continental AG, Hannover, wird ihr Werk in Traiskirchen teilweise schließen. Die faktische Still-Legung des Werkes in Niederösterreich wurde von den Deutschen nicht kommentiert. Details sollen bei einer Pressekonferenz am Donnerstag verraten werden.

Hintergrund der absehbaren Schließung ist die schwache Autokonjunktur sowie die seit Jahren bei Continental verfolgte Konzernstrategie, lohnintensive Produktionen an osteuropäische Standorte auszulagern. Alfred Artmäuer, Betriebsratschef bei Semperit, befürchtete am Mittwoch eine weitgehende Stilllegung des Standortes. Nach der drohenden Schließung der Produktionen für Pkw- und Lkw-Reifen würden nur mehr 200 der derzeit rund 1.500 Beschäftigten der Semperit Reifen übrig bleiben.

Auch Artmäuers deutsches Pendant, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Konzerns, Harald Guttmann hat "nur noch wenig Hoffnung". Es sei zu befürchten, dass Continental nur noch den Bereich der Mischungs- und Hartzeugherstellung für Reifenvorprodukte mit 150 bis 200 Mitarbeitern weiterführen werde, sagte Guttmann gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Bereits vor Tagen war beschlossen worden, die Beschäftigten ab übernächstem Montag in einen dreiwöchigen Zwangsurlaub zu schicken.

Der neue Conti-Chef Manfred Wennemer hatte Ende Oktober ein Kostensenkungsprogramm verkündet, das auch die Schließung von unrentablen Geschäftsbereichen beinhaltet. Neben Traiskirchen sind nach früheren Angaben aus Konzernkreisen auch ein Reifenwerk in Mexiko sowie ein Werk im schwedischen Gislaved gefährdet.

Als Indiz für das bevorstehende Aus für Traiskirchen wird in Semperit-Belegschaftskreisen auch der bevorstehende Verkauf des Semperit-Testgeländes in Kottingbrunn gewertet. Angeblich soll der Grundstücksverkauf, der kolportierte 90 Mill. S bringen soll, zur Finanzierung der Abfertigungen bzw. des Sozialplans für das Werk in Traiskirchen dienen. Bei Verhandlungen zwischen der Käufergesellschaft und Semperit ist am Dienstag eine Grundsatzeinigung erzielt worden.

Seit der Übernahme der ehemals zur CA gehörenden Semperit Reifen durch die Conti 1985 ist es immer wieder zu Konflikten zwischen dem Traiskirchener Tochterunternehmen und der Konzernzentrale in Hannover gekommen - zuletzt im Sommer 1996, als zum letzten Mal die Schließung des Standortes drohte. Der damalige Wirtschaftsminister Hannes Farnleitner ließ sich zur Bekundung seiner Solidarität demonstrativ Semperit-Reifen auf seinen Dienstwagen montieren. Nach einem radikalen Sparprogramm konnte das Werk - Dank der guten Konjunktur - noch einmal Fuß fassen und die Beschäftigtenzahl noch einmal deutlich auf zuletzt 1.800 erhöhen.

Nun scheint das endgültige Ende für das Reifenwerk, für das in den besten Zeiten an die 7.000 Beschäftigte arbeiten, bevorzustehen. Der Mutterkonzern Continental steht heuer erheblich unter Druck. Bis Ende September war der Umsatz nach neun Monaten zwar um elf Prozent auf 8,24 Mrd. Euro (113,4 Mrd. S) gestiegen, das operative Ergebnis jedoch gegenüber dem Vorjahr um knapp 39 Prozent auf 238 Mill. Euro gesunken. Nach den Turbulenzen um einen geplanten, aber dann wieder gestoppten Verkauf der Tochter ContiTech wurde Vorstandschef Stephan Kessel durch Manfred Wennemer abgelöst, der als harter Sanierer gilt.

5.12.2001 13:38