1,5 Mrd. $ Hilfe: Enron hat 31,2 Mrd. $ Schulden

1,5 Milliarden Dollar (1,7 Mrd. Euro/23,2 Mrd. S) Finanzspritze, 20 Prozent der Stellen werden gestrichen: So soll der weltgrößte Energiehandelskonzern Enron Corp., der bei einem Konkursgericht in New York Konkursantrag gestellt hat, gerettet werden. Bei Enron handelt es sich um die bisher größte Firmenpleite in den USA. Enron machte die Energiehandelsfirma Dynegy Inc., die Enron für neun Mrd. Dollar (10,11 Mrd. Euro/139,2 Mrd. S) kaufen wollte, für die eigenen Probleme verantwortlich.
Der hoch verschuldete Energiekonzern gab die Streichung von 4.000 Stellen (20 Prozent der Arbeitsplätze bei Enron) bekannt. Die Finanzspritze kommt den Angaben zufolge von einem Bankenkonsortium und soll die Fortführung der Geschäfte sichern. Enron hatte zuvor bereits Gläubigerschutz beantragt.
Die Vereinbarungen über die Finanzhilfen sähen vor, dass dem Unternehmen 250 Mill. Dollar sofort zur Verfügung gestellt werden, teilte Enron weiter mit. Weitere 250 Mill. Dollar seien verfügbar, wenn der Konzern einen zufrieden stellenden Geschäftsplan vorlege. Die verbleibende eine Mrd. Dollar solle teilweise zur Schuldentilgung bei Enrons Transwestern Pipeline dienen. Enron-Chef Kenneth Lay sagte, mit diesen Mitteln könne Enron seine Geschäfte fortführen und auch die ersten Schritte zur Re-Organisation des Unternehmens einleiten.
Enron, größter Erdgashändler der USA, zählte zu den zehn größten Konzernen des Landes. 2000 verbuchte er Einnahmen in Höhe von 100,8 Mrd. Dollar. Mitte November hatte Enron eingeräumt, dass der Gewinn in den vergangenen vier Jahren um rund 20 Prozent zu hoch angegeben worden war und ein Großteil der Schulden von 15 Mrd. Dollar nicht in den Bilanzen ausgewiesen wurde.
Die drei großen Investmentbanken UBS, Citigroup und J.P. Morgan Chase sprechen nach Angaben aus informierten Kreisen mit dem zusammengebrochenen Energiehandelskonzern Enron über ein Joint Venture im Stromhandelsbereich. Die Gespräche seien noch in einem sehr frühen Stadium, hieß es am Montag Abend in den Kreisen.
Ist Vertragsbruch Schuld an Firmenpleite?
Dynegy hatte wegen des raschen Enron-Aktienkurssturzes, des rasanten Geschäftseinbruchs und Enron-Fehlinformationen auf den Kauf des Energiehandelskonzerns verzichtet. Enron warf Dynegy "Vertragsbruch" vor. Die Enron-Aktien notierten am Montagmorgen mit 29 Cents um drei Cents höher. Vor einem Jahr hatte der Kurs noch bei knapp 85 Dollar gelegen. Dynegy-Aktien sackten am Montag um 9,9 Prozent auf 27,33 Dollar ab.

