Sonntag, 9. Dezember 2001

Wegen der "Ganoven-Aussage"

Im Streit zwischen den Bundesliga-Schiedsrichtern und Jörg Haider zeichnet sich eine Eingung ab. Haider will seine herben Aussagen zurücknehmen. Unter einer Bedingung: Die Schiris müssen ihre Fehlpfiffe nochmals öffentlich eingestehen. Schiri-Boss Kapl hat damit kein Problem.

Angesichts dieser Situation ist für Schiedsichter-Obmann Gerhard Kapl die am Wochenende in Salzburg beschlossenen Klage gegen Haider wegen übler Nachrede "vom Tisch", da von Referee-Seite ja schon oft festgestellt wurde, "dass wir zu unseren Fehlern stehen."

"Wir sind ja nicht davon ausgegangen, dass es zu einer Strafe und Verurteilung kommt, sondern wollten nur, dass die ungeheuren Vorwürfe in der Öffentlichkeit zurück genommen werden. Das ergibt auch den Umkehrbeweis, dass die Schiedsrichter in Österreich nicht käuflich und schon gar keine käuflichen Ganoven sind", stellte Kapl dazu fest.

"Schiedsrichter sind auch nur Menschen. Ihre Fehler, die man nachher oft erst in der dritten Zeitlupe erkennt, passieren unabsichtlich innerhalb von Bruchteilen von Sekunden und es spielt dabei keine Rolle, welcher Verein davon betroffen ist", betonte der Steirer, der ja nach den Vorfällen beim Match Austria Wien - FC Kärnten (2:0) noch am selben Tag nach einem eingehenden Video-Studium zugegeben hatte, dass das erste Tor "knapp falsch" und das dritte "eine klare Fehlentscheidung" war.

Haider hatte einen Tag nach dieser Partie, in der drei Tore der Klagenfurter wegen angeblichen Abseits von Schiedsrichter Konrad Plautz nicht anerkannt worden waren, beim FPÖ-Landesparteitag die Referees als "Ganoven, die offenbar käuflich sind, nur weil Herr Stronach mit seiner Austria zwingend gewinnen muss" bezeichnet. Dafür wurde Haider vom Ethik-Komitee zu 200.000 Schilling (14.535 Euro) Geldstrafe verurteilt. Dagegen hatte er eine Berufung an das Schiedsgericht angekündigt. Diese ist allerdings erst bei Vorliegen der schriftlichen Ausfertigung der Entscheidung des Ethik-Komitees möglich.

9.12.2001 16:30