Montag, 3. Dezember 2001

Wiener Fußball in Jahrhundertkrise

Der FC Tirol eilt seinem zehnten Fußball-Meistertitel, den dritten in Serie, entgegen. Neun Punkte Vorsprung in der Tabelle nach den 22 Herbstrunden in der max.Bundesliga auf Torfabrik GAK mit dem 22fachen Schützen Ronald Brunmayr, zehn auf den SK Sturm, der allerdings am 19. Februar im heimischen Schwarzenegger-Stadion im Nachtrag zur sechsten Runde drei Zähler auf die Innsbrucker aufholen könnte, sind schon ein deutlicher Vorsprung.

Der regierende Champion ist obendrein auch noch mit einem weiteren Nachtragsspiel zur 10. Runde (in Klagenfurt gegen den FC Kärnten) im Minus und macht trotz einiger Rückschläge im Spätherbst keineswegs den Eindruck, als ob er sich den Titel noch streitig machen ließe. Bliebe in den 14 Frühjahrsrunden, die am 23. Februar (Siehe APA 353/0212) mit der 23. Runde gestartet werden, vor allem der Kampf um Platz zwei, der ebenfalls zur Champions League-Qualifikation berechtigt. Für den UEFA-Cup ist ja auch noch der dritte Platz interessant, der Cupsieger darf ebenfalls in diesem Bewerb mitspielen.

Überraschungself FC Kärnten
Derzeit sieht es eher danach aus, als ob sich nur die beiden Grazer Klubs um Rang zwei streiten werden. Allerdings dürfen sich auch der FC Kärnten und der SV Salzburg noch gewisse Chancen ausrechnen. Die Aufsteiger aus Klagenfurt waren im Herbst die Überraschungsmannschaft der max.Bundesliga, bewiesen zwar in erster Linie Heimstärke (nach dem 1:2 gegen Ried zum Auftakt ungeschlagen), hatten jedoch auch auswärts einiges zu bieten wie 13 Punkte bewiesen.

Rapids schwerste Krise der Geschichte
Das waren um sieben mehr als der SK Rapid auf fremden Plätzen eroberte. Vermögen sich die Wiener im Frühjahr nicht deutlich zu steigern, dann darf der 30fache Meister über die schlechteste Saison seiner Klubgeschichte klagen. Als Vizemeister in den Bewerb gestartet und vor einem Jahr noch Winterkönig mit einem Punkt Vorsprung auf Tirol, trennen die auf Rang neun liegenden Wiener vom aktuellen Meister heuer nicht weniger als 28 Punkte. Der Abstand zum Schlusslicht Admira beträgt bei einem Spiel weniger hingegen nur acht Zähler.

Unter Matthäus weiter abgebaut
Und dies, obwohl sich die Hütteldorfer von Langzeit-Trainer und Sportchef Ernst Dokupil trennten, mit Lothar Matthäus am 6. September eine spektakuläre Teamchef-Verpflichtung leisteten und den entsprechenden Sprung vorwärts erwarteten. Doch der deutsche Rekord-Nationalspieler brachte die Grün-Weißen (bisher) trotz eines Strohfeuers (5:1 im UEFA-Cup gegen Partizan Belgrad) nicht auf Vordermann, verlor gegenüber den Innsbruckern sogar weitere 19 Punkte. Nur zwei Siege bei drei Remis und sieben Niederlagen in zwölf Bundesliga- Spielen, das ist nicht die Bilanz mit der der ehrgeizige "Loddar" leben will.

Austria bestätigt Wiens Talfahrt
Dass es mit dem Lokalrivalen Austria, der dank Frank Stronach finanziell die Nummer eins ist, nicht viel besser lief, ist für das Rapid-Lager nur ein schwacher Trost und für die Wiener Fußballfans allgemein ein besonderes Schockerlebnis. Fünf Zähler beträgt der Vorsprung der Violetten auf Grün-Weiß, der Wechsel im Trainerlager - Walter Hörmann/Toni Pfeffer für Arie Haan - brachte keine Verbesserung. Nur vier Siege in 14 Spielen bei vier Remis und sechs Niederlagen ist auch nicht etwas, auf das man beim 21fachen Meister und 22fachen Cupsieger besonders stolz sein kann.

GAK im Aufschwung
Auch Joachim Löw blieb als Nachfolger des nach Hamburg abgewanderten Kurt Jara in Tirol mit fünf Siegen, einem Remis und zwei Niederlagen unter der Ausbeute seines Vorgängers (zehn Siege, zwei Remis), auch wenn er Rang eins souverän verteidigte. Besser lief es hingegen beim GAK unter Thijs Libregts und beim SV Salzburg unter Lars Söndergaard, die Werner Gregortisch bzw. Hans Backe nachgefolgt waren.

Schwaches Europacup-Jahr
Im Europacup wurden aber auch dem FC Tirol seine Grenzen aufgezeigt. In der Champions League-Qualifikation gegen Lok Moskau ausgeschieden, ging es im UEFA-Cup auch nur bis zur zweiten Runde, in der diesmal der aktuelle italienische Abstiegskandidat Fiorentina eine Nummer zu groß war. Ähnliches ist von Rapid, GAK und Kärnten zu berichten.

3.12.2001 15:30