Sonntag, 9. Dezember 2001

"Nach so einem Unfall nicht zu Tagesordnung übergehen"

Der seit dem schweren Sturz am Samstag in Val d'Isère gelähmte Schweizer Skirennläufer Silvano Beltrametti ist am Montag mit einem Helikopter in die Schweiz überstellt worden. Unter ärztlicher Betreuung wurde Beltrametti vom Universitätsspital Grenoble ins Paraplegiker-Zentrum Nottwil geflogen.

Der Schweizer Verbands-Direktor Jean-Daniel Mudry berichtete über Beltrametti als unglaublich gefestigte Persönichkeit: "Er hat seinen Eltern, den Trainer und Athleten Mut gemacht, jetzt nicht aufzugeben und davon gesprochen, er sei sich des Risikos bewusst gewesen und müsse nun auf einer anderen Ebene weiterkämpfen."

ÖSV-Abfahrtstrainer Robert Trenkwalder meinte, es wäre falsch, nach so einem Unfall einfach zur Tagesordnung überzugehen. "Es hat sich alles weiterentwickelt, man muss alle Punkte diskutieren, ob und was verbessert werden kann und was illusorisch ist", erklärte der Tiroler. Trenkwalder trat für eine breite Diskussion mit Verantwortlichen der FIS, der Industrie, der Läufer und Trainer ein. Im ÖSV wird es am Dienstag nach der Anreise in Gröden vorerst eine interne Diskussion der Trainer geben.

Risiko ist Teil des Ski-Sports
Schuldzuweisungen im nachhinein vorzunehmen hält Trenkwalder für unfair. "Unser Sport ist mit einem hohen Maß an Risiko verbunden, das ist allen klar. Ohne einen gewissen Teil dieses Risikos müsste man ihn abschaffen. Das gilt auch für andere Sportarten", meinte der Coach. Wer den Unfall Beltramettis nur auf den Carving-Ski zurückführe, der in der Abfahrt ohnehin viel geringer tailliert sei als im Riesentorlauf, mache es sich zu einfach, so Trenkwalder.

Bessere Sichtverhältnisse
Trenkwalder hält es auch für "wahnsinnig wichtig" etwas für bessere Sichtverhältnisse zu tun. Es gebe immer wieder Stellen, wo Läufer praktisch im Blindflug unterwegs seien. Etwa in Bormio, wo die Athleten bei idealem Wetter mit 140 km/h in den schattigen Zielschuss rasen und Sekunden lang nichts sehen. "Eine Markierung der Wellen oder spezielle Scheinwerfer wären da eine Lösung", erklärte der ÖSV-Trainer.

9.12.2001 09:12