Donnerstag, 6. Dezember 2001

Am Geburtstag des Herminators Sieg im Super G

Stephan Eberharter hat gleich im ersten Rennen in Val d'Isere seine Anwartschaft auf die Nachfolge von Hermann Maier als Weltcup-Gesamtsieger untermauert. Wenige Wochen nach dem zweiten Platz beim Auftakt-RTL in Sölden gewann der Tiroler in Frankreich den schwierigen Super G. Das ist der siebente Weltcup-Sieg seiner Laufbahn.

Der 32-jährige Routinier siegte hauchdünn 4/100 Sekunden vor dem Schweizer Didier Cuche und 0,65 vor dessen Landsmann Silvano Beltrametti. Christoph Gruber als Vierter und Fritz Strobl als Fünfter rundeten den Länderkampf Österreich-Schweiz ab, der junge Steirer Stephan Görgl überraschte als Zehnter.

Kein Traumlauf
"Es war alles andere als ein Traumlauf. Ich hätte nie und nimmer gedacht, dass das überhaupt fürs Podium recht", sagte Eberharter im Ziel eines Rennens, das den Läufern alles abverlangt hatte. Auf der eisigen und schnellen Piste hatten selbst die Besten ihre Probleme, ohne die kluge Kurssetzung von Herbert Mandl wären wohl viele Ausfälle nicht so glimpflich verlaufen.

Gratulation vom "Herminator"
Auch Eberharter hatte keinen perfekten Lauf, was seine Klasse nur noch unterstrich. "Ich war von einigen Toren extrem weit weg, hatte aber Gott sei dank Glück. Es war sehr knapp", sagte der Zillertaler, der noch im Ziel per Telefon dem bisherigen "Mr. Super G" Hermann Maier zu dessen 29. Geburtstag gratulierte und postwendend eine "Retourgratulation" in Empfang nahm. "Selbst der Hermann hat gesagt, dass das ein brutal schwieriges Rennen war", erzählte er schmunzelnd. "Ohne Fehler wären noch einmal eine bis eineinhalb Sekunden drin gewesen."

Sechster Auftakt-Sieg in Folge
Der siebente Weltcup-Sieg des Vizeweltmeisters von St. Anton, der erst zweite im Super G, war insoferne auch bemerkenswert, weil damit zum sechsten Mal in Folge der Auftakt-Super G an einen Österreicher gegangen ist. Die minutenlange Unterbrechung nach der Fahrt von Eberharter, nach der einige vom Schweden Nyberg umgerissene Tore ("Eberharter: Ich hab mich gewundert, warum sie mich überhaupt fahren ließen") gerichtet werden mussten, nahm aber keiner als Ausrede her, obwohl danach keiner mehr auch nur ansatzweise an die Spitzenzeiten heran kam.

Brutaler Super G
"Nein, es war einfach ein Kampf von oben bis unten", sagte der nach Eberharter gestartete Gruber, der zudem seine Brille verloren hatte. "Optimal war's sicher nicht, aber auch für mich war es ein brutaler Super G. Ich hatte Schwierigkeiten von oben bis unten", suchte auch Fritz Strobl keine Ausreden und streute wie der ausgeschiedene Hans Knauss Eberharter Rosen. "Der Steff ist schon in einer Super-Form!"

"Steff" freut sich auf die Abfahrt
Auch der von Eberharter klar distanzierte Weltcup-Mitfavorit Lasse Kjus (13.) suchte die Fehler nur bei sich selbst: "Ich war einfach schlecht, keine Ahnung warum." Der Norweger hofft nun ebenso auf die Abfahrt am Samstag wie alle anderen von Eberharter Geschlagenen. Der ist aber nun erst Recht auch dort Favorit, "denn auf der Abfahrt fühl ich mich derzeit extrem wohl. Und die Piste wird sich hoffentlich nicht viel ändern, das wird ein Super-Rennen", freute er sich schon.

Weltcup-Favorit?
Nur ob er jetzt der große Weltcup-Favorit sei, ließ Eberharter unbeantwortet. "Ich habe einen Sieg und einen zweiten Platz, das spricht für sich. Von mir gibt's dazu vorerst keine Antwort."

Endstand vom Super G in Val d'Isere

1.

Stephan Eberharter
AUT
1:26,53 *
2.

Didier Cuche
SUI
1:26,57
3.

Silvano Beltrametti
SUI
1:27,18
4.

Christoph Gruber
AUT
1:27,46
5.

Fritz Strobl
AUT
1:27,79
6.

Pierre-Emanuel Dalcin
FRA
1:27,86
7.

Fredrik Nyberg
SWE
1:27,87
8.

Marco Büchel
LIE
1:28,05
9.

Didier Defago
SUI
1:28,11
10.

Stephan Görgl
AUT
1:28,26
11.

Paul Accola
SUI
1:28,28
12.

Bjarne Solbakken
NOR
1:28,43
13.

Lasse Kjus
NOR
1:28,47
14.

Peter Rzehak
AUT
1:28,48
15.

Patrik Järbyn
SWE
1:28,53


weiter


17.

Andreas Schifferer
AUT
1:28,64
25.

Josef Strobl
AUT
1:29,34

* ... Schnitt: 100,89 km/h

Ausgeschieden u.a.:
Hans Knauß (AUT), Christoph Alster (AUT), Hannes Reichelt (AUT), Norbert Holzknecht (AUT), Bode Miller (USA), Claude Cretier (FRA), Franco Cavegn (SUI), Jernej Koblar (SLO), Patrice Manuel (FRA), Stefan Stankalla (GER)

6.12.2001 14:08