Letzter Kampf in Bischofshofen

Einer der erfolgreichsten österreichischen Judokas beendet seine Karriere. Der Salzburger Patrick Reiter gab am Dienstag seinen Rücktritt bekannt.
Einer der erfolgreichsten österreichischen Judoka beendet seine Karriere. Der 29-jährige Salzburger Patrick Reiter gab am Dienstag seinen Rücktritt bekannt und wird sich von seinem Sport ganz zurückziehen. Der Europameister von 1995, zweifache WM-Dritte und dreifache EM-Dritte wird seine Abschiedsvorstellung im Finale der österreichischen Bundesliga (8. und 14.12.) mit seinem Klub Sanjindo Bischofshofen geben.
Reiter will "neue Dinge angehen"
"Ich habe festgestellt, dass ich nicht mehr erreichen kann, was ich will. Das liegt an mehreren Faktoren: An der Entwicklung im Judo, an den Strukturen im Verband, an meinem Alter. Ich habe eine super Karriere hinter mir, habe neun Medaillen gewonnen. Vom Gefühl her habe ich den Punkt erreicht, um neue Dinge anzugehen", erklärte Reiter, der sich nun ganz seiner Firma widmen wird. Reiter hat im Mai ein Unternehmen für Fitness-Coaching für Führungskräfte gegründet und arbeitet mittlerweile mit vier Angestellten "sehr, sehr erfolgreich."
Reiter wollte immer an die Spitze
Reiter war nie ein Mann, der still und heimlich seine Ziele verfolgte. Nur die Nummer eins war sein sportliches Ziel, ausgerechnet bei den zwei größten Turnieren allerdings scheiterte er. Bei Olympia 1996 in Atlanta lag er schon nach wenigen Sekunden auf der Matte, in Sydney 2000 kam ebenfalls vorzeitig das Aus. "Sportlich waren das sicher meine größten Misserfolge. Privat nicht. 1996 ist in der ersten Sekunde eine Welt für mich zusammen gebrochen. Durch Atlanta habe ich aber meine Frau Heather kennen gelernt, hätte ich nicht verloren, wäre ich nicht auf die Bahamas geflogen. Ich weiß die Dinge einzuordnen", sagt der Salzburger.
Reiter begann als 16-jähriger Gymnasiast durchzustarten, nachdem er erstmals zum Trainingslager nach Japan geflogen war: "Ich habe gesehen, dass man 24 Stunden 100-prozentig arbeiten muss, um an die Spitze zu kommen." Danach ging es stetig bergauf. Bei den Junioren wurde Reiter WM-Dritter 1990, EM-Dritter 1991 und schließlich Weltmeister 1992. Nach EM-Bronze in der allgemeinen Klasse kürte er sich 1995 zum Europameister und stand 1997 knapp vor seinem größten Erfolg. "Bei der WM habe ich um den Finaleinzug nur knapp verloren, da war ich dem WM-Titel am nächsten", erinnert sich der HSZ-Athlet.
Nach Olympia 2000 nahm sich der fünffache Team-Europacupsieger eine Auszeit, nun entschied er sich, einen neuen Lebensabschnitt zu starten. "Es war eine tolle Zeit, ich will keine Sekunde missen", zog Reiter nun ein überaus positives Resümee nach fast einem Jahrzehnt Hochleistungssport.
