Bau am Bergisel verzögert: Frist bis 15. Dezember

Die Entscheidung, ob die 50. Vierschanzen-Tournee tatsächlich auf den vier traditionellen Bakken stattfinden kann, ist vertagt. Der Bauverzug der neuen Sprunganlage auf dem Bergisel hat die Veranstalter in eine missliche Lage gebracht. Die FIS hat dem ÖSV eine Frist bis zum 15. Dezember gewährt.
Die größte Hürde auf dem Weg zum dritten Tourneebewerb am 4. Jänner 2002 dürfte im Laufe der vergangenen Woche genommen worden sein: Die Anlaufspur ist fertig betoniert, es sind noch einige zusätzliche Betonarbeiten erforderlich. "Aber die sind nicht mehr relevant für das Springen. Das wichtigste ist, das die Anlaufspur fertig ist", meinte Malojer.
Der Baumeister stellte allerdings auch fest, dass "es nie eine Voraussetzung war, dass die Anlage bei der Tournee bespringbar ist, es war ein Wunsch. Aber nach heutigem Stand der Dinge wird die Anlage sprungfertig sein". Neben der Anlaufspur ist auch der Aufzug im Turm und der Einstieg aus dem Turm in die Spur fertig gestellt. Allerdings, so Malojer, werde man noch drei Wochen massiv zu arbeiten haben. Hervorzuheben ist hier vor allem die Unterkonstruktion für die Spurfräse.
Bau im Zuschauerbereich weiter unterbrochen
In Sachen Zuschauerbereich wird der Stadtsenat am Mittwoch entscheiden, ob die Berufung der Anrainer abgewiesen wird oder nicht. "Wenn diese abgewiesen wird, werden wir in rasendem Tempo auch dort weiterarbeiten." Die Baupolizei war vor kurzem vor Ort, um ein eventuelles, nicht gestattetes Weiterarbeiten zu überprüfen. Dem war aber nicht so. "Natürlich haben wir in der Arena selbst nun nichts getan." Für den Bauleiter ist schon jetzt nicht einzusehen, warum man nicht zumindest wieder 16.000 Zuseher zulassen soll. Im südlichen Bereich, also jenem Areal, in dem man arbeiten durfte, habe es im Vergleich zum Vorjahr sogar manche Verbesserungen (Fluchtwege) gegeben.
Natürlich stellt sich auch die Frage, warum man mit der Zeit derart knapp ist. "Sicher gab es Verzögerungen. Es hat sich u.a. herausgestellt, dass die Konstruktion dermaßen diffizil zu bauen ist, dass man von einer weltweit einzigartigen Anlage sprechen kann. Schließlich müssen zwischen 35 und 50 m Höhe mehrere Tonnen Stahl an nur acht Stahlkonsolen angebracht werden." Zwar sind bis zu 100 Personen am Bergisel beschäftigt, doch am Turm selbst können auf Grund der geringen Angriffsfläche nur maximal neun Leute arbeiten.
Ebenso liegt der Bergisel in einer Föhn-Schneise. "Wir hatten zwar im ganzen Oktober traumhaftes Wetter, aber der Föhn hat uns acht oder neun Tage gekostet", erklärt Malojer. Aus Sicherheitsgründen könne man in dieser Höhe bei derartigen Bedingungen nicht arbeiten. Im November kam eine zehntägige Phase mit bis zu minus zehn Grad hinzu. "Es hat Zeiten gegeben, wo es zu diesem Zeitpunkt nie unter null Grad gehabt hat." In dieser Phase sei der Beton natürlich wesentlich langsamer trocken geworden. In gewisser Weise habe man bei der Planung schon auch mit den langjährigen Wettererfahrungen gepokert.
Alternative zu Bergisel: Zweites Springen in Bischofshofen
Jedenfalls ist sowohl er selbst, als auch der ÖSV davon überzeugt, dass auch die 50. Tournee wie gewohnt in Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen stattfindet. Von Alternativen will nach wie vor niemand etwas hören, doch wäre wohl ein zweites Springen in Bischofshofen die einzig denkbare Variante. FIS-Renndirektor Walter Hofer will das nicht kommentieren: "Am 15.12. werden wir erfahren, ob es machbar ist. Bis dahin gehen wir davon aus, dass das Springen in Innsbruck stattfindet."
