Hilfe gegen Schmerz: Wiener Arzt plädiert für Cannabis
- FORMAT: Bisherige Erfahrungen vielversprechend

Ein Wiener Spitzenmediziner plädiert für den vorurteilsfreien Einsatz von Cannabispräparaten in der Schmerzmedizin. Jetzt will er die Droge an 200 Patienten genauer erforschen.
Wir brauchen eine seriöse Cannabisforschung, fordert Professor Hans Georg Kress, um den tatsächlichen Wert der Substanz in der Schmerztherapie zu bestimmen. Kress, der auch Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft ist, will die erste klinische Studie mit natürlich und synthetisch hergestellten Cannabisprodukten in Österreich initiieren; 200 bis 300 Patienten sollen daran teilnehmen.
Hilfe bei Krebs, Multipler Sklerose, Aids oder Querschnittlähmung
Der Einsatz von Rauschdrogen in der Schmerztherapie ist immer noch von gesellschaftlichen Vorurteilen und medizinischen Unwägbarkeiten geprägt: Zuverlässige klinische Studien existieren kaum; die Berichte von Patienten sind wie kann es anders sein bei einer Droge, die high macht? oft von positiven Wahrnehmungen während der Wirkphase gefärbt. Sie sind, sagt Birgit Frommer, anekdotisch, aber nicht klinisch relevant. Cannabis, bestehend aus 63 mehr oder weniger psychotropen Stoffen, hilft demnach bei Schmerzen aufgrund Multipler Sklerose ebenso wie bei den Folgen von Krebs, Aids oder Querschnittlähmung. Weitere potentielle Anwendungsgebiete sind Migräne oder Arthritis.
Körper hat eigene cannabisähnliche Botenstoffe und Rezeptoren
In welchem Fall Cannabis besser wirkt als andere Medikamente, so Kress, wissen wir noch nicht. Fest steht nur: Der Mensch verfügt selbst über ein endogenes Cannabinoidsystem, in dem cannabisähnliche Botenstoffe und Rezeptoren wechselwirken; evolutionär gesehen ist es also logisch, daß der Stoff dem Menschen nicht nur schaden kann.
Langwieriges Verfahren: Import von Cannabis für Forschungszwecke
Kress und seine Mitarbeiterin, die Ärztin Birgit Frommer, referierten ihren Wunsch vor dem Drogenbeirat der Stadt Wien. Der erlaubte Import von Marihuana und den auf dem Markt befindlichen Medikamenten aus Wirkstoffen der Pflanze zu Forschungszwecken bedarf eines langwierigen Verfahrens. Kress ist somit der erste Spitzenmediziner des Landes, der einen vorurteilsfreien Umgang mit Cannabis im medizinischen Bereich fordert. Geht es nach ihm, müßte die wunderbare Substanzgruppe längst wie andere Medikamente auch behandelt werden: nicht besser, aber auch nicht schlechter. Zwar sei Cannabis, so Kress, eine Rauschdroge mit psychotroper Wirkung, die zu psychischer Sucht führen kann, aber sie besitzt auch einen Eigenwert als Medikament, der schon vor Jahrtausenden erkannt wurde.
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