Freitag, 30. November 2001

Ganz Japan hofft auf einen Thronfolger

Der von ganz Japan herbeigesehnte Nachwuchs am Kaiserhof hat sich am späten Freitagabend (Ortszeit) angekündigt. Kronprinzessin Masako werde kurz nach 23.00 Uhr ins kaiserliche Krankenhaus gebracht, um dort ihr erstes Kind auf die Welt zu bringen, teilte das Haushofamt am Abend mit. Japanische Fernsehsender änderten sofort das Programm. Seitdem warten die Japaner ungeduldig auf den Nachwuchs.

Die 37-Jährige sagte ein geplantes Abendessen anlässlich des 36. Geburtstages von Prinz Akishino ab, dem jüngeren Bruder ihres Mannes Kronprinz Naruhito (41). Sollte Masako wie erwartet einen Buben zur Welt bringen, bräuchte die älteste Monarchie der Welt nicht mehr um die Thronfolge in der übernächsten Generation zu fürchten. Seit der Heirat des Paares 1993 wartet die Nation auf Nachwuchs am Hof.

"Es kann jederzeit passieren, jederzeit", freut sich Tadanobu Nishiyama. Wie ganz Japan fiebert der Obsthändler in Tokio der Niederkunft der hochschwangeren Kronprinzessin Masako entgegen. Nishiyama hat Obstkörbe vorbereitet; auf den Äpfeln ist der Schriftzug "Glückwünsche" zu lesen. "Wir warten genauso, wie wir es tun würden, wenn wir selbst der werdende Vater und die werdende Mutter wären".

Die Spannung steigt: Wann ist es soweit?
Die Spannung stieg noch einmal am Freitag, als das japanische Fernsehen meldete, die 37-jährige Prinzessin begebe sich am Abend ins Krankenhaus. Die Ungeduld der Japaner ist verständlich: Der bisher letzte männliche Nachkomme der ältesten Monarchie der Welt wurde vor 36 Jahren geboren.

Es wird gefeiert
Rote Papierlaternen schmücken bereits die als "Prinzessinnenstraße" bekannte Einkaufszone in der Nähe des kaiserlichen Palastes. Sie sollen entzündet werden, sobald die Geburt bekannt wird. Spruchbänder an den Fassaden fordern zum Feiern auf. Die Geschäfte sind voll mit Erinnerungsstücken wie Reisweinflaschen mit Masakos kaiserlicher Wappenblume auf den Etiketten.

Alle Japaner leiden mit
"Wir hoffen auf eine sichere, sanfte Geburt und ein gesundes Baby", sagt eine Bonbon-Verkäuferin im schicken Stadtteil Senzoku, wo Masako vor ihrer Heirat mit Kronprinz Naruhito lebte. Seit der Eheschließung vor mehr als acht Jahren wartet Japan auf die Geburt eines Kindes. Groß war die Freude deshalb als im Mai Masakos Schwangerschaft bekannt wurde. Als Geburtstermin wurde lediglich Ende November oder Anfang Dezember genannt. Seit einer Woche rechnen die Japaner deshalb jederzeit mit der guten Nachricht.

Königspalast schweigt
Obwohl die Bestimmung des Geschlechts möglich wäre, schweigt sich der Königspalast dazu aus. Die Monarchie wäre aber auch bei der Geburt eines Mädchens, die von der Thronfolge ausgeschlossen sind, nicht unmittelbar gefährdet. Sollte Masako einen Burschen bekommen, stünde dieser an zweiter Stelle hinter seinem 41-jährigen Vater Naruhito in der Thronfolge.

30.11.2001 15:58

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