Alles ist möglich: Millionen und Hungerlohn

Sie reden über alles, nur nicht über ihre Gehälter: Für Österreichs Ärzte ist ihre Entlohnung Tabu. Vor allem die Spitzenverdiener verschweigen gern, wieviel sie wofür kassieren. Im aktuellen FORMAT findet sich erstmals eine detaillierte Aufstellung der Gehälter und Einkommen österreichischer Fachärzte und Praktiker.
So bringen es nicht wenige Primarärzte durch lukrative Nebenjobs auf ein Monatseinkommen von bis zu 900.000 Schilling! Einige Fachärzte kassieren bis zu zehn Millionen Schilling im Jahr. Doch nicht alle geht es so gut. Viele Spitalsärzte müssen mit Niedrigstgehältern auskommen, und auch Praktiker verdienen oft ausgesprochen wenig.
Alles ist möglich
Was verdienen die 35.686 Ärzte in Österreich also wirklich? Den kolportierten Höchstgagen mit zweistelligen Millionenbeträgen stehen die immer wieder beklagten Niedrigstentlohnungen so mancher Spitalsärzte gegenüber, die meist über siebzig Stunden die Woche im Einsatz sind. Viele Hausärzte jammern über ihre mageren Jahresumsätze.
Die Gehaltspyramide
FORMAT bringt erstmals eine Übersicht über Medizinergagen in Österreich – basierend auf einem der Redaktion vorliegenden Rechnungshofbericht und einer im Auftrag der Sozialversicherung erstellten aktuellen Studie sowie zahlreichen Gesprächen mit Ärzten und Unternehmensberatern.
- Sieht man von ganz wenigen Superverdienern jenseits der Zwanzig-Millionen-Grenze ab, stehen an der Spitze der Einkommenspyramide vor allem Primarärzte aus den Bereichen Radiologie, Labormedizin, Chirurgie, Orthopädie, Augenheilkunde und Kardiologie sowie Schönheitschirurgen und etablierte Zahnmediziner. Sie kommen mitunter auf ein offizielles Jahreseinkommen von zehn bis zwölf Millionen Schilling (Gewinn vor Steuern).
- Bei den Zahnärzten gehören Kieferchirurgen und Implantologen zu den Topverdienern mit sieben bis zwölf Millionen Jahresgewinn vor Steuern. Über solche Höchstgagen kann sich allerdings nur rund ein Drittel aller heimischen Zahnärzte freuen. Doch auch der Rest lebt nicht schlecht: Das durchschnittliche Jahreseinkommen bei Zahnärzten beträgt laut Rechnungshofbericht rund zwei Millionen Schilling vor Steuern, die Jahresumsätze einzelner Praxen sind deutlich höher.
- Unter den Spitalsärzten können Oberärzte aus den chirurgischen Fächern sowie Internisten mit den Schwerpunkten Kardiologie oder Gastrologie durch die Behandlung von Privatpatienten ein Einkommen von fünf bis acht Millionen vor Steuern erreichen.
- Nur ein Prozent aller niedergelassenen Fachärzte mit Kassenordination kommt auf ein Einkommen von mehr als zehn Millionen im Jahr. Etwa drei Prozent verdienen 7,5 bis zehn Millionen, und drei bis vier Prozent kassieren fünf bis 7,5 Millionen vor Steuern. Der Rest liegt bei durchschnittlich 2,5 Millionen im Jahr.
- Laut Rechnungshof verdienen praktische Ärzte mit Kassenordination im Durchschnitt rund 1,5 Millionen Schilling im Jahr. Was aus dem Bericht der Rechnungshofprüfer nicht hervorgeht: Landärzte verdienen mehr als praktische Ärzte in Wien. Während Landärzte mit großer Kassenpraxis zwei Millionen und mehr verdienen, kommen die Wiener Praktiker im Durchschnitt nur auf rund eine bis
1,2 Millionen Schilling. - Das Schlußlicht bei den Ärzteeinkommen bilden die Wahlärzte ohne Kassenvertrag. Nur ein Prozent aus dieser Gruppe erreicht aus der Ordinationstätigkeit einen Jahresgewinn von zwei Millionen, während ein großer Teil der niedergelassenen Wahlärzte ohne Kassenvertrag weit darunter liegt. Die Folge: Das eher karge Salär wird meist durch Nebenbeschäftigungen – etwa als Betriebs- oder Schularzt – aufgebessert.
Reinschaun: FORMAT bringt die detaillierte Aufstellung der Gehälter und Einkommen österreichischer Fachärzte und Praktiker in seiner aktuellen Ausgabe!

