Freitag, 30. November 2001

Österreichischer Rückkauf scheitert vermutlich

Über den künftigen Eigentümer des österreichischen Edel-Klavierbauers Bösendorfer scheint nicht so schnell eine Entscheidung zu fallen wie erwartet. Ursprünglich hatte der Freitag als Stichtag gegolten, nun wurde die Entscheidung verschoben. Einer österreichischen Lösung werden allerdings kaum mehr Chancen eingeräumt.

Grund: Die Bundesländer Wien und Niederösterreich dementieren, als Mitinvestoren selbst Geld in die Hand nehmen zu wollen. "Von einer Beteiligung war nie die Rede. Wir haben angeboten, eine Haftung für Kredite im Ausmaß von 100 Mill. S zu übernehmen, vorausgesetzt, die Investoren werden aufgetrieben", hieß es aus dem Büro von Wiens Finanzstadtrat Sepp Rieder. Niederösterreich hätte 60, Wien 40 Prozent der Haftung übernommen. Man habe aber seit dem Angebot nichts mehr gehört.

Aus dem Büro von Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll heißt es, man "hoffe" auf eine Österreich-Lösung, die Haftung müsse aber "genau geprüft werden". Dem Österreich-Konsortium gehören außer der UIAG mit ihrem Chef Kurt Stiassny noch die Oberbank und die Bawag/P.S.K. an.

Sollte der Versuch scheitern, den heimischen Klavierbauer wieder in österreichische Hände zurückzuführen, bekäme der US-Gitarrenbauer Gibson den Zuschlag, der dem derzeitigen Bösendorfer-Eigentümer und US-Möbelhersteller Kimball 28,34 Mill. Euro (390 Mill. S) für Bösendorfer geboten hat. Es gibt Befürchtungen, dass Gibson im Fall einer Übernahmen die Produktion schließt und rund 220 Bösendorfer-Mitarbeiter kündigt. Erst kürzlich hat Gibson den Billigklavier-Hersteller Baldwin erworben. Bösendorfer könnte von den Amerikanern nur noch als Edelmarke gehalten werden, ohne die Klaviere selbst noch länger zu produzieren, vermuten Branchenkenner.

30.11.2001 13:32