Baxter und US-Firma Acambis kooperieren

Die Niederlassung des internationalen Pharmakonzerns Baxter in Österreich (Wien und Orth/Donau) wird zu einer zentralen Stelle für internationale Bemühungen zur Abwehr möglicher Bioterrorismus-Attacken. Der Konzern hat den Zuschlag für die Lieferung des Ausgangsmaterials für 155 Millionen Dosen an neuem Pockenimpfstoff erhalten, den die US-Regierung bestellt.
Das Vakzin wird bei Baxter Österreich produziert werden.
Alle US-Bürger impfen
Das US-Gesundheitsministerium teilte am Mittwoch in Washington mit, es habe 155 Millionen Dosen Impfstoff bestellt. Damit soll ein Vorrat zur Impfung jedes US-Bürgers geschaffen werden.
"Es ist schrecklich, dass eine Krankheit, an deren Ausrottung Wissenschaftler und andere Mitarbeiter im Gesundheitswesen auf der ganzen Welt gearbeitet haben, jetzt zur bioterroristischen Bedrohung wurde. Wir sind stolz darauf, dass wir die notwendige Technologie stellen können, um die Regierung der Vereinigten Staaten bei ihren Anstrengungen zum Schutze der Menschen vor möglichen bioterroristischen Anschlägen zu unterstützen", erklärte Thomas Glanzmann, der Präsident des Geschäftsbereichs BioScience von Baxter, zu dem Projekt.
US-Gesundheitsminister Tommy G. Thompson erklärte am Mittwoch in den Vereinigten Staaten, dass Baxter das Grundmaterial für das Vakzin in einer europäischen Produktionsstätte herstellen würde. Dieser Standort ist somit Wien samt dem Forschungszentrum in Orth/Donau in Niederösterreich, wo der Konzern seine Vakzin-Herstellung in Österreich konzentriert hat.
Gemeinschaftsprojekt mit Acambis
Die arzneimittelrechtliche Zulassung für das Vakzin hält das amerikanisch-britische Biotechnologie-Unternehmen Acambis. Es arbeitete schon seit längerer Zeit an einem Pockenvakzin und sollte ursprünglich 50 Millionen Dosen an die US-Regierung liefern. Das war im Jahr 2000. Doch der 11. September des Jahres 2001 veränderte die Situation grundlegend. Plötzlich waren von Seiten der USA 155 Millionen Dosen verlangt.
Das überstieg bei festgelegten Lieferzeit von zwölf Monaten die Produktionskapazitäten von Acambis (Cambridge UK/Cambridge US-Bundesstaat Massachusetts). Baxter aber besitzt in Österreich - nicht zuletzt durch die Entwicklung von erfolgreichen Impfstoffen gegen die FSME und andere Infektionen - das notwendige Know How und die erforderliche Produktionskapazität. In Österreich wird das Vakzin für die USA produziert, abgefüllt wird es bei Acambis in den Vereinigten Staaten.
Nachfrage nach Impfstoffen explodiert
Das Projekt ist international eines der heißesten in der Impfstoffbranche. Seit dem 11. September stehen offenbar Regierungen zahlreicher Staaten "Schlange", um vorsorglich Pockenvakzin zu kaufen. Berna Biotech (Schweiz) zum Beispiel stellte alte Lagerbestände aus der Zeit der Kampagne zur Ausrottung der Krankheit bereit. Der Umsatz soll damit 150 Millionen Franken (1,41 Mrd. S) betragen. Doch mehrere Länder wollten auch neu produziertes Vakzin. Unter diesen befindet sich auch Österreich.

