Massiver Arbeitsplatzabbau gilt als unausweichlich

Der akut vom Konkurs bedrohte norwegische Kvaerner-Konzern wird künftig von seinem schärfsten einheimischen Konkurrenten Aker Maritime und dessen Eigner Kjell Inge Rökke kontrolliert. Mit der am Mittwoch in Oslo von Gläubigerbanken und anderen Aktionären gebilligten Machtübernahme hat Rökke einen über Jahre erbittert geführten Machtkampf mit der Kvaerner-Führung für sich entschieden.
Während die Gefahr eines Offenbarungseides für den einstmals größten Schiffbaukonzern Europas nun als so gut wie abgewendet gilt, müssen die 33.000 seit Jahren um ihre Jobs bangenden Kvaerner-Beschäftigten nach einhelliger Meinung von Beobachtern weiter zittern, weil ein massiver Abbau von Arbeitsplätzen als unausweichlich gilt. Völlig ungewiss ist die Zukunft für die 1.250 Beschäftigten der Kvaerner Warnow Werft GmbH in Rostock-Warnemünde, deren Betrieb Kvaerner seit Jahren zum Verkauf angeboten hat.
Verlust tausender Arbeitsplätze erwartet
Aker Maritime und Kvaerner sind als Anlagenbauer und Ausrüster bei der Öl- und Gasförderung auf See direkte Konkurrenten mit identischen Betätigungsfeldern. Niemand in Oslo zweifelt deshalb daran, dass die Zusammenlegung dieser Aktivitäten zum Verlust tausender Arbeitsplätze führen wird. Der als schillernde Figur mit Playboy-Image geltende Rökke wollte sich über seine konkreten Pläne nicht äußern, sondern blieb mit Blick auf die Zukunft höchst vage: "Wir haben die für beide beste Alternative gefunden."
"Brutales Raubtier"
Den begeisterten Rennbootfahrer störte es ausdrücklich auch nicht, dass ihm norwegische Reporter bescheinigten, er habe sich die seit langem angestrebte Kontrolle über Kvaerner wie ein "brutales Raubtier" angeeignet, das die Beute erst am Boden ausbluten lässt, ehe sie verschlungen wird. "Wenn die Aktivität des Raubtiers zu etwas Positivem führt, habe ich dagegen nichts einzuwenden", meinte Rökke im Rundfunk und erntete sogar noch beifälliges Gemurmel von Kvaerners Aufsichtsratschef Harald Arnkvärn.
Dabei hatte in der Vergangenheit die gesamte Führung des gestrandeten Schiff- und Anlagenbauers nichts unversucht gelassen, um die von Beginn an als feindlich eingestufte Machtübernahme durch den Emporkömmling Rökke zu verhindern. Nach der komplett missglückten Übernahme des britischen Anlagenbauers Trafalgar House durch Kvaerner Mitte der neunziger Jahre werten Beobachter in Oslo vor allem den aufreibenden Machtkampf gegen Rökke als wichtigen Grund für Kvaerners Niedergang.
Mehrfach musste die Kvaerner-Spitze dabei seit dem Sommer bei Gläubigerbanken betteln gehen, um den Gang zum Konkursrichter mit einem Schuldenberg von mehr als 10 Mrd. Kronen (1,6 Mrd. Euro/17,3 Mrd. S) zu vermeiden. Auch der Einstieg des russischen Konzerns Yukos Oil als zeitweilig größter Eigner vor Rökke, der seit gut zwei Jahren 18 Prozent bei Kvaerner unter seiner Kontrolle hat, erwies sich nur als Intermezzo. Jetzt muss der Aker-Chef ganze 500 Mill. Kronen für die Übernahme der Mehrheit zahlen und wird von den Banken mit der Stundung von Schulden über 4,5 Mrd. Kronen für die nächsten zehn Jahre belohnt.

