Druck auf Nicht-Mitglieder durch Preis-Torpedierung

Neue Wendung im Ölpreis-Streit: Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) hat den nicht zum Kartell gehörenden Ölförderländern mit einer Steigerung der Ölexporte gedroht! Außer, wenn diese sich doch noch auf gemeinsame Schritte zum Abbau der Ölüberschüsse am Weltmarkt einigen.
OPEC-Präsident Chakib Khelil sagte in Algier, wenn die nicht zur OPEC gehörenden Ölförderländer sich nicht auf angemessene gemeinsame Maßnahmen zur Stabilisierung der Preise einigten, könnte die OPEC anstelle der für den 1. Jänner anvisierten weiteren Drosselung ihrer Ölausfuhren um 1,5 Mill. Barrel pro Tag (bpd) die Exporte steigern und somit Druck auf die nicht dem Kartell angehörenden Ölproduzenten ausüben. Die OPEC erwartet von den ihr nicht angeschlossenen Förderländern eine Beschränkung der Ölexporte ab 1. Jänner um täglich 500.000 bpd, flankierend zu ihren eigenen Maßnahmen zur Stabilisierung des in den vergangenen Wochen kränkelnden Ölpreises.
Spieltheorie: Verlust/Verlust-Drohung
"Wenn wir die Produktion am 1. Jänner nicht um 1,5 Mill. bpd zurücknehmen, ist es klar, dass die Preise sehr schnell zusammenbrechen werden. Wir können die Exporte ausweiten, um zusätzlichen Druck auszuüben", sagte Khelil bei einem Medienforum. "Es ist weder im Interesse Russlands noch anderer Länder, das die Preise zusammenbrechen". Falls die nicht der Organisation angehörenden Förderländer keine Einigung über eine gemeinsame Reduzierung ihrer Ölexporte um 500.000 bpd erreichen sollten, werde die OPEC ihrerseits die Ölausfuhren am 1. Jänner nicht drosseln, fügte er hinzu.
Mit Enttäuschung hatte die OPEC am vergangenen Freitag das nur geringfügig erhöhte Angebot Russlands zur Drosselung der Ölexporte um 50.000 statt der zuvor offerierten 30.000 bpd im vierten Quartal 2001 aufgenommen.
Experten hatten nach den Angeboten der ebenfalls nicht dem Kartell angehörenden Förderländer Norwegen, Mexiko und Oman mit einer Einschränkung der russischen Ölexporte um 100.000 bis 150.000 Barrel täglich gerechnet. Die OPEC selbst erwartet von Russland eine Reduzierung der Ölexporte um mindestens 200.000 bpd.
Medizin für den Ölpreis
Die OPEC hatte sich bei ihrer Ministerkonferenz am 14. November in Wien zu einer Drosselung ihrer Ölausfuhren ab 1. Jänner um 1,5 Mill. bpd bereit erklärt, wenn unabhängige Produzenten ihre Quoten zum gleichen Zeitpunkt um 500.000 bpd zurücknehmen. Damit fiele die gesamte Förderung der OPEC, die im bisherigen Jahresverlauf ihre Ölproduktion bereits um 3,5 Mill. bpd oder 19 Prozent eingeschränkt hat, auf 21,7 Mill. bpd. Ziel ist es, die Preise wieder in dem angestrebten Band zwischen 22 und 28 Dollar zu stabilisieren.
Mexiko stellte bereits eine Einschränkung um 100.000 bpd in Aussicht und das ebenfalls nicht zur OPEC zählende Oman eine Reduzierung um 25.000 bpd. Norwegen hatte zugestimmt, seine Exporte ab 1. Jänner, eventuell auch schon früher, um 100.000 bis 200.000 bpd zu reduzieren.
Der Ölpreis gab am Dienstag bis zum Nachmittag geringfügig nach. Ein Barrel (159 Liter) der marktführenden Nordsee-Ölsorte Brent zur Lieferung im Jänner wurde mit 18,29 Dollar und damit um sieben US-Cents billiger als am Vortag gehandelt.

