Dienstag, 27. November 2001

Kläger: "Falsche Beratung und unzulässiges Risiko"

Erstmals in Deutschland hat ein enttäuschter Anleger Klage gegen eine Fondsgesellschaft erhoben. Der Musikproduzent Jack White hat beim Landgericht Frankfurt/Main Klage gegen die Julius-Bär-Gruppe eingelegt.

Das teilte Rechtsanwalt Klaus Nieding mit. Die Gesellschaft habe falsch beraten und sei ein unzulässiges Risiko bei der Geldanlage eingegangen. Sein Mandant habe mit dem Julius Bär Creativ Fonds 6 Mill. DM (3,07 Mill. Euro/42,2 Mill. S) Verlust gemacht. Diese Summe fordere er nun als Schadenersatz.

"Keine Risiken" bei 64% Start-ups
White wirft dem damals zuständigen Fondsmanager vor, ihn in einem persönlichen Gespräch falsch beraten zu haben. Unter anderem sei ihm auf eine entsprechende Frage ausdrücklich versichert worden, dass es bei dem betroffenen Fonds "keine Risiken" gebe. Außerdem sei gegen die gesetzlichen Vorgaben der Risikomischung verstoßen worden, indem 64 Prozent der Werte Start-ups waren beziehungsweise vom Neuen Markt kamen, sagte Nieding. Zudem habe im Verkaufsprospekt nicht gestanden, dass der Fonds hauptsächlich in den Neuen Markt investieren wolle.

Der Musikproduzent will notfalls bis zum Bundesgerichtshof klagen, um zu seinem Recht zu kommen. Nieding wurde nach eigenen Angaben inzwischen von rund 80 weiteren Julius-Bär-Kunden beauftragt, den Sachverhalt zu prüfen.

27.11.2001 12:15