Dienstag, 27. November 2001

Festnetz mit 7 Prozent Umsatzrückgang

Die börsennotierte Telekom Austria AG (TA-Konzern mit Mobilkom-Austria) hat in den ersten drei Quartalen 2001 einen Nettoverlust von 121 Millionen Euro im Vorjahr mit einem Nettogewinn von 16,1 Millionen Euro (222 Mio. Schilling) überwunden. Das zusammen gefasste Betriebsergebnis stieg im selben Zeitraum von Minus 169 Mio. € auf Minus 8,2 Mio €.

Die TA wird auf Grund der erfolgreichen Restrukturierung im Geschäftsjahr 2001 ein besseres operatives Ergebnis erzielen als ursprünglich erwartet. Die TA wird heuer ein Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 1,4 Mrd. Euro (19,3 Mrd. S) anstatt der seit April 2001 prognostizierten 1,2 Mrd. Euro erzielen. Das sagte TA-Vorstandsvorsitzender Heinz Sundt.

Trotzdem: Keine schwarzen Zahlen im Gesamtjahr
Die TA AG (TA-Konzern mit TA, Mobilkom Austria at-equity, Datakom und Jet2Web Internet) hat zwar in den ersten drei Quartalen 2001 ein positives Nettoergebnis von 16,1 Mill. Euro (222 Mill. S) erreicht, fürs Gesamtjahr 2001 werde das Unternehmen aber keine schwarzen Zahlen schreiben, betonte der Vorstand. Er wollte keine Prognose darüber abgeben, wann die TA ein positives konsolidiertes Nettoergebnis erreichen werde.

Im vierten Quartal 2001 werde ein saisonbedingter Rückgang der EBITDA-Marge erwartet, zudem muss die TA im vierten Quartal die tschechischen Internettochter Czech Online, die im April 2000 für knapp 3 Mrd. S übernommen wurde, um weitere geschätzte 166 Mill. Euro abschreiben. Bisher seien bereits 30 Prozent von den 3 Mrd. S abgeschrieben worden, berichtete Sundt.

Der Konzernumsatz ging in den ersten drei Quartalen 2001 um 5,5 Prozent auf 2,001 Mrd. Euro zurück. Das Konzern-Betriebsergebnis (EBIT) stieg im selben Zeitraum von minus 169 Mill. Euro auf minus 8,2 Mill. Euro, teilte die TA mit. Das Konzern-EBITDA wuchs von Jänner bis September 2001 um 39 Prozent auf 703 Mill. Euro (9,67 Mrd. S). In beiden Zahlen sind die Aufwendungen von 36,8 Mill. Euro für freigestellte Mitarbeiter allerdings nicht enthalten.

Personal wird weiter abgebaut
Die Mitarbeiterzahl der TA-Gruppe (Vollzeitkräfte) sank bis Ende September 2001 auf 17.037, nach 18.525 im September 2000. Bis Ende 2001 werde sich die Zahl der Mitarbeiter weiter auf 16.600 verringern, kündigte Sundt an.

Rückgang im Festnetz-Geschäft - Antwort: Restrukturierung
Im Festnetzbereich ging der Umsatz um 7,1 Prozent auf 1,862 Mrd. Euro zurück, das EBITDA erhöhte sich um 50,7 Prozent auf 690,2 Mill. Euro. Der Marktanteil sank im Festnetz von 68,7 Prozent im Vorjahr in den ersten drei Quartalen 2001 auf 57,3 Prozent. Der Festnetzbereich wird künftig laut gestrigem Aufsichtsratsbeschluss in die zwei Bereiche Wholesale (Infrastruktur) für alternative Telekom-Kunden und Retail (Endkundenservice) für Privat- und Geschäftskunden geteilt. Die bestehende Struktur der Töchter Mobilkom Austria, Datakom und Jet2Web Internet bleibt unangetastet.

Retail und Wholesale werden künftig vom derzeitigen TA-Technikvorstand Rudolf Fischer geleitet werden. Er bekommt auch den Bereich Marketing dazu, der nach dem Abgang des früheren Marketingvorstands Heinz Brasic im April 2001 von TA-Vorstandsvorsitzenden Heinz Sundt betreut worden war. Fischer wird damit zum Technik/Marketingvorstand (CTO/CMO). Der Bereich IT wandert zum Finanzchef des Unternehmens, Stefano Colombo. Sundt bleibt weiterhin Kopf des Unternehmens.

Musterschüler Mobilkom
Im Geschäftsbereich Mobilkommunikation (Mobilkom Austria-Gruppe) wuchs der Umsatz in den ersten drei Quartalen 2001 um 13,9 Prozent auf 1,271 Mrd. Euro, das EBITDA stieg um 34,9 Prozent auf 460,6 Mill. Euro. Im Geschäftsbereich Datenkommunikation stiegen die Umsätze um 4,4 Prozent auf 238,6 Mill. Euro, das EBITDA sank von 42,6 Mill. Euro auf 34,0 Mill. Euro. Im Internetgeschäft legten die Umsätze um 44,2 Prozent auf 62,3 Mill. Euro zu, das EBITDA drehte von plus 5 Mill. Euro auf minus 21,4 Mill. Euro ins Minus.

Wird konkreter: Verkauf der Anteile durch Telecom Italia
Der TA-Vorstand sei bei der gestrigen Aufsichtsratssitzung von der Telecom Italia, die 29,8 Prozent an der TA hält, offiziell über deren Absicht informiert worden, ihr TA-Aktienpaket zur Gänze verkaufen zu wollen. Die TI hatte die ÖIAG, die 47,8 Prozent an der TA hält, bereits am 12. November 2001 offiziell davon informiert, ihren Anteil verkaufen zu wollen. Die Telecom Italia legte gestern keinen Vorschlag vor, wie dieser Verkauf vollzogen werden soll.

Brancheninsider gehen davon aus, dass sich auch die ÖIAG aus der TA zurückziehen wird, was einen Totalverkauf der TA bedeuten würde. Die ÖIAG hat ihre Verkaufsabsicht bisher aber nicht offiziell kommuniziert. Der TA-Vorstand geht davon aus, in die anstehenden Verkaufsverhandlungen eingebunden zu werden.

27.11.2001 11:09