Matt holte ersten Saisonsieg für ÖSV

Die Damen werden noch diese Woche im kanadischen Lake Louise ihren Speed-Auftakt (zwei Abfahrten, ein Super G) absolvieren. Die Herren dagegen kehren nach der vom Schneemangel in Colorado verursachten Kurzvorstellung mit lediglich zwei Slaloms in Aspen vorzeitig nach Europa zurück. Zwar sind in Val d'Isere noch bei weitem nicht alle Rennen fixiert, die Stangenspezialisten haben aber ohnehin bis zum Nachtslalom in Madonna (10.12.) Pause. Die beiden Slaloms in Colorado hatten es freilich in sich.
Denn 24 Stunden nach dem Sensationssieg des Kroaten Ivica Kostelic (Startnummer 64) verhinderte ausgerechnet der vormalige Slalom-Rekordhalter Mario Matt (Nr. 47 in Kitzbühel) mit seinem ersten Sieg als Weltmeister eine ähnliche Überraschung. Er verwies Bode Miller (Startnummer 54), der als erster US-Amerikaner seit fast 14 Jahren (1988 Felix McGrath in Aare) auf ein Slalom-Podest fuhr, auf Platz zwei und sorgte seinerseits für eine Premiere. Vor zehn Monaten war er mit 1,75 m-Ski Weltmeister geworden, in Aspen fuhr er seinen vierten Weltcup-Triumph auf nur 1,56 "langen" Kurz-Carvern heraus, auch das hat es noch nicht gegeben.
56. Slalom-Weltcupsieg für Österreichs Herren
Der erste ÖSV-Saisonsieg war zugleich der 56. Slalom-Weltcupsieg für Österreichs Herren, die nun in dieser Disziplin gleichauf mit Italien liegen. In Abfahrt, Super G und Riesentorlauf führt das Team-Austria längst allein alle Wertungen an.
Diskussion über Kurzski eingefroren
Damit wurde die am Sonntag entbrannte Diskussion, ob ausgerechnet das im vergangenen Winter so dominierende ÖSV-Slalomteam die aktuellste Stufe der Kurzski-Revolution verschlafen habe, zumindest eingefroren. Dank Matt, der innerhalb nur weniger Tage diese "Carvellinos" in den Griff bekommen hatte. "Mir ist es von Rennen zu Rennen besser damit gegangen. Schon am Sonntag habe ich gespürt, dass ich noch Reserven habe. Mir war aber auch klar, dass ich einfach frecher fahren muss", gestand der Tiroler. Es gelang perfekt, freilich auch, weil der erste Lauf am Montag vom ÖSV-Trainer Rainer Gstrein ideal für die Carving-Spezialisten seiner Truppe gesetzt war und der nervenstarke Weltmeister dann auch auf dem engen zweiten Kurs die Nerven behielt.
Sykora holte Punkte
"Dass wir etwas verschlafen hätten, kann man nach diesem Rennen nicht mehr behaupten", atmete daher auch Herren-Chef Toni Giger auf. "Wir hatten aber insgesamt einiges zu ändern, um uns auf diese Verhältnisse hier einzustellen. Das ist Gott sei Dank gelungen und es war sicherlich nicht nur die Skilänge alleine", so Giger. Klar ist freilich, dass sich nun auch die restlichen ÖSV-Asse in der Heimat mit den extremen Kurzski auseinander setzen werden, denn man muss sich speziell im Slalom - die Damen (Minimallänge 1,50 m) hatten es schon in Copper vorgezeigt - längst am unteren Limit (Herren 1,55 m) orientieren. Auch "Saurier" Thomas Sykora, der nach über drei Jahren Pause als 23. erstmals wieder Punkte holte, wird es künftig deutlich kürzer geben.
Schilchegger unglücklich
Eines gab Giger den Seinen aber trotzdem mit auf den Weg. "Ohne volles Risiko bist du heute im Slalom nirgends mehr. Und das ist in Aspen nur bei einigen aufgegangen." Aufgegangen ist es bei "Reggae-Man" Rainer Schönfelder, der sich am Montag mit drittbester Laufzeit noch von 15 auf vier katapultierte und strahlte: "Im ersten Lauf bin ich gefahren wie ein Skilehrer. Aber das war erst der Anfang, bei den Europarennen fängt die Show erst so richtig an." Nicht glücklich war Halbzeit-Leader Heinz Schilchegger, der noch auf Platz sechs abstürzte. "Ich komme offenbar mit schlechten Bedingungen nicht optimal zurecht", so der Salzburger.
Viele neue Talente
Mit drei Läufern in den ersten Sechs durfte man im ÖSV-Lager zwar zufrieden sein, auch weil der von Rückenproblemen geplagte Vizeweltmeister Benni Raich in beiden Slaloms ausgefallen ist. Die Dominanz des vergangenen Winters scheint aber vorerst vorbei zu sein. Auch, weil die Konkurrenz stark aufgeholt hat. Ivica Kostelic hat das Zeug, wie seine Schwester Janica die Szene mitzubestimmen. Bode Miller, der zuvor drei Jahre lang in keinem Slalom durchgekommen war, hat ebenso Potenzial wie der drittplatzierte Franzose Jean-Pierre Vidal, der eine Geschichte für sich ist. Vor zwei Jahren ruinierte er sich im Training zu den nationalen Meisterschaften beide Knie, musste in den Rollstuhl, aber jetzt ist der jüngere Bruder der Slalom-Spezialistin Vanessa Vidal wieder da. Das Talent kommt nicht zufällig, die Mutter der beiden Vidals ist die Cousine des einstigen Slalom-Weltcupsiegers Jean-Noel Augert.
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