Ein Märchen geht in die nächste Runde

Es war am 22. November 1998, als eine gewisse Janica Kostelic im Damen-Slalom von Park City wie ein Komet in die heile Skiwelt einschlug. Was folgte war ein Sport-Märchen mit Rückschlägen. Schwere Verletzung in St. Moritz, Knieoperationen fast am Fließband und dann der Triumph im Gesamtweltcup des vergangenen Jahres. Nun hat das Märchen Kostelic ein weiteres Kapitel - doch das schrieb Bruder Ivica: Zwei Tage nach seinem 22. Geburtstag und drei Jahre nach seiner Schwester war Kostelic im Slalom in Aspen der Aufsteiger und feierte seinen ersten Saisonsieg.
Bezeichnend, dass sich die kroatische Sportfamilie dabei nicht mit der Normalität zufrieden gibt, denn mit seinem ersten Weltcupsieg trug sich Kostelic, der bisher erst drei Mal in die Weltcup-Punkte fuhr und einen 21. Platz in Sestriere als bestes Ergebnis zu Buche stehen hatte, gleich in die Ski-Geschichtsbücher ein. Mit einer so hohen Startnummer (64) hat noch niemand einen Slalom gewonnen, bisher hielt der regierende Weltmeister Mario Matt, der in Kitzbühel mit Nummer 47 erfolgreich war, den Rekord. "Ich glaube, Gott hatte einen Plan", meinte Kostelic nach dem Triumph.
Bis Olympia 2006 ein Allrounder
Doch mit dem ersten Sieg hat Kostelic noch nicht genug, so scheint es. "Im Olympia-Winter 2006 will ich ein Allrounder sein", bekundete er nach seinem Erfolg. Einem Erfolg, der im Gegensatz zu seiner Schwester nach einigen Knieoperationen kam - Janica, die ihm am Telefon nach dem ersten Lauf den Sieg prophezeit hatte - war bereits erfolgreich, als der Verletzungsteufel zuschlug. "Vielleicht hatten die Verletzungen auch etwas Gutes. Sonst wäre es zu schnell gegangen", meint Ivica nur zu seinem Pech vergangener Jahre. Zumindest aber hat er in den Krankenhäusern von Basel und Vail gut Englisch gelernt und auch ein paar Brocken Schweizerdeutsch aufgeschnappt.
Keine Eintagsfliege
Für die Fachwelt kam sein Erfolg zwar überraschend (ÖSV-Trainer Gert Ehn: "Aber nach dem 1. Lauf musste man mit ihm rechnen"), doch sind sie sich auch einig: Es war keine Eintagsfliege. "Ihm ist im zweiten Durchgang ein Traumlauf gelungen. Aber ich traue ihm auch zu, dass er so weiter macht, denn er fährt nicht mit extremem Risiko, sondern mit guter Technik", erkannte auch ÖSV-Cheftrainer Toni Giger an.
"Er wird der beste Skifahrer der Welt"
Diese gute Technik soll ihm zu noch größeren Erfolgen verhelfen. Zumindest, wenn es nach Vater Ante geht. "Ivica ist hochtalentiert und er kann der beste Skifahrer der Welt werden. Nach dem Sieg in Aspen ist er jetzt endlich vorne dabei. Er ist reifer geworden und er hat die kindischen Zeiten, auch im Ski fahren, hinter sich", erklärte der ehemalige Team-Handballer. Und auch Schwester Janica ist überzeugt, dass sich die Konkurrenz anschnallen muss: "Ich wußte immer, dass er besser als andere fahren kann. Es war nur eine Frage der Zeit." Und diese Zeit scheint jetzt gekommen.
Grand Prix von Monaco18:01
Sechster trotz BestzeitSchumi Schnellster in Monaco. Wegen Rückstufung dennoch Webber in der Pole.
Fußball Nationalteam18:03
Der ÖFB-TrainingsalltagEin "24-Stunden-Job" für Teamchef Marcel Koller. Klein schießt Zuschauer k.o.
