Samstag, 1. Dezember 2001

3500 Rechtsextremisten bei NPD-Kundgebung

Etwa 3500 Rechtsextremisten sind gesternin einem Demonstrationszug durch die Berliner Innenstadt gezogen. Der bisher größte Aufmarsch von Neonazis seit dem Zweiten Weltkrieg richtete sich gegen die Anfang der Woche in Berlin eröffnete Ausstellung über die Verbrechen der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Bei einer Gegendemonstration mit rund 2000 Personen kam es zu Mittag zu Ausschreitungen.

Die Demonstration war im In- und Ausland auf heftige Proteste gestoßen. Die NPD hatte mit rund 5000 Teilnehmern aus dem ganzen Bundesgebiet gerechnet.

Der bisher größte Aufmarsch von Neonazis seit dem Zweiten Weltkrieg in Berlin setzte sich am frühen Nachmittag am S-Bahnhof Friedrichstraße in Bewegung. Entgegen der ersten Planung der rechtsextremen NPD wird die Demonstration nicht durch das historische jüdische Viertel und an der Ausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht vorbei führen, sagte ein Sprecher der Polizei. Die genaue Route wurde aber unter Verschluss gehalten.

Im Vorfeld der NPD-Demonstration war es zu Krawallen gekommen. Aus einer Demonstration von mehreren hundert Anhängern der linken Szene warfen Dutzende Randalierer mit Steinen und Feuerwerkskörper. Die Beamten setzten Wasserwerfer, Tränengas und Schlagstöcken ein. Mehrere Menschen wurden verletzt, es gab auch Festnahmen. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot von 4000 Beamten im Einsatz, um ein Zusammentreffen von NPD-Anhängern und Gegendemonstranten zu verhindern.

Als Gegenmaßnahme zum NPD-Protest besuchten zahlreiche Prominente demonstrativ die Ausstellung. Unter ihnen waren der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und führende Vertreter der im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien. Zuvor hatten zahlreiche jüdische Organisationen protestiert, dass der größte Aufmarsch von Neonazis nach dem Krieg in Deutschland noch dazu am Sabbat von den deutschen Behörden nicht verhindert worden sei.

1.12.2001 15:59