Mittwoch, 28. November 2001

"Kann's vom Prinzip her nicht sein"

Das Interview mit dem Kärntner Landeshauptmann Haider, das dieser selbst anfertigen ließ und das im ORF zu sehen war, hat für Generalintendant Gerhard Weis (Bild) eine "unverzeihlich schiefe Optik".

"Die Tatsache, dass wir eine Berichterstattung wollen, sie uns nicht leisten können und dann vom anderen machen lassen und übernehmen kann's vom Prinzip her nicht sein."

Wenn der ORF eine Berichterstattung will, muss er die notwendigen Vorkehrungen treffen - auch finanziell. Wenn das nicht geht, müssen Prioritäten gesetzt werden", betonte Weis weiter. "Fremdproduziertes Material" übernehme der ORF aber grundsätzlich immer wieder, vor allem, wenn es von einer Agentur oder einem "anerkannten Filmemacher" komme, sowie in "Ausnahmesituationen" - etwa Amateurvideos von Katastrophen.

Weis verwies in diesem Zusammenhang auf Auseinandersetzungen über Videos von Tierschützern. In diesen Fällen habe sich darüber hinaus auch die Frage der Legalität gestellt - "die stellt sich in diesem vorliegenden Fall sicher nicht". Daher sei auch das Rundfunkgesetz - wie der ORF-Redakteursrat kritisiert hatte - nicht verletzt worden, erklärte Weis.

Das umstrittene Interview habe er auf Band bestellt, um es sich anzuschauen, so Weis weiter. Mit ORF-Kärnten-Chef Gerhard Draxler habe er bereits "ein Gespräch in dieser Sache" geführt.

Der Grüne Mediensprecher und ORF-Kurator Stefan Schennach forderte indes als "erste Konsequenz" des "Sündenfalls", wie er den Vorfall nannte, "dass für alle Landesstudios ein gemeinsamer Standard erlassen wird". Es gehe nicht an, dass das Programm mancher ORF-Landesstudios "zu Landeshauptleutebelangsendungen verkommen" sei. Noch die "alte" ORF-Geschäftsführung müsse in der für kommende Woche (5. Dezember) angesetzten Kuratoriumssitzung reagieren, so Schennach.

28.11.2001 12:05