Montag, 19. November 2001

Stranzl kämpft um sein Comeback

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Martin Stranzl ist zweifellos ein Mensch ohne Fehl und Tadel. Seit Hauptschulzeiten mit Jugendliebe Elke zusammen, widersagt der Kicker des deutschen Fußball-Bundesligisten 1860 München den alkoholischen Versuchungen der bayrischen Metropole sogar in Zeiten des Oktoberfests und bevorzugt stattdessen das beschauliche Leben in seiner Wohnung in Oberhaching. Profihafte Einstellung hatte dem Burgenländer zum Stammleiberl bei den Sechzigern und im ÖFB-Team verholfen, ehe der Verletzungsteufel gnadenlos zuschlug und den 22-Jährigen eineinhalb Jahre fast zur Gänze außer Gefecht setzte.

Auf dem Weg zurück verzichtete der Defensiv-Spezialist allerdings auf aufwendige Exorzismen und setzte auf harte Rehabilitation, um seinen persönlichen Fluch zu überwinden. "Es wird schon besser, ich hoffe, dass ich in drei Wochen gegen Schalke wieder im Kader bin", erklärt Stranzl, der am Dienstag wieder ins Mannschaftstraining der Pacult-Elf einstieg.

Auf Kopfball-Duelle muss der burgenländische 1,90-m-Hüne noch verzichten, um den Heilungsprozess nach seiner bisher letzten schweren Verletzung nicht zu gefährden. Im August hatte sich der Südburgenländer bei einem Zusammenstoß im Training mit Mannschaftskollegen Costa schwere Blessuren im Gesicht zugezogen (unter anderem Bruch des Jochbeins, des Augenbogens und der Augenhöhle), in den Monaten davor erlitt er Bänderrisse im Knie und Knöchel sowie eine langwierige Zehenverletzung. Dennoch hätte dies seinem Engagement in den Zweikämpfen keinen Abbruch getan. "Wenn ich mich fürchten würde, bräuchte ich erst gar nicht einzulaufen", meint Stranzl, dessen Vertrag bei den "Löwen" mit Saisonende ausläuft, wobei der Verein jedoch bis April eine Option auf zwei weitere Jahre ziehen kann.

Dabei wäre Stranzl womöglich schon bei "Erzfeind" Bayern gelandet, hätte ihm nicht der Kreuzbandriss im April des Vorjahres einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Eine Woche davor haben sie vorgefühlt", erzählt der Burgenländer, der sich trotz aller Rivalität zwischen den beiden Münchner Klubs einen Wechsel zum Rekordmeister durchaus vorstellen kann. "Das ist sicher ein Ziel, wenn man bedenkt, dass die Bayern zur europäischen Spitze gehören. Jeder, der sagt, er würde nie zu den Bayern gehen, schwindelt", betont Stranzl.

Die kurzfristigen Ziele von Stranzl schauen derzeit aber anders aus. "Ich will so schnell wie möglich wieder bei den Sechzigern spielen, mir fehlt aber noch die Spritzigkeit und Spielpraxis", sagt der "Löwe", der auch eine baldige Rückkehr ins Nationalteam anstrebt. "Für das Spiel gegen Norwegen im November geht es sich nicht mehr aus. Aber später, wenn ich fit bin und spiele, ergibt sich alles von selbst."

Die ÖFB-Auswahl sieht Stranzl in der EM-Qualifikation als Außenseiter. "Holland und Tschechien sind die klaren Favoriten. Wir können aber in so einem Spiel wie gegen Holland nur gewinnen." Die Übergangsphase im Team wird laut Stranzl noch einige Zeit dauern. "Wir müssen schon auf die WM-Qualifikation hinarbeiten, bis dahin sind wir eine richtig gute Truppe", prophezeit der 22-Jährige, der am liebsten die defensive Rolle im zentralen Mittelfeld einnimmt. "Aber im Team spiele ich, wo ich gebraucht werde."

19.11.2001 10:41