Analysten erwarten anhaltenden Konsolidierungskurs

Die internationalen Leitbörsen haben sich in der abgelaufenen Woche eine kleine Verschnaufpause nach den fulminanten Anstiegen der letzten beiden Monate gegönnt. Bedingt durch den US-Feiertag Thanksgiving am Donnerstag und den verkürzten US-Handel am Freitag gestaltete sich der Wochenausklang dabei ausgesprochen ruhig und lustlos.
Im Wochenvergleich zeigte sich der Dow Jones gegen 17:30 Uhr mit 9.903,39 Punkten mit einem moderaten Plus von 0,4 Prozent praktisch unverändert gegenüber dem Schlussstand von Freitag der Vorwoche. Nur geringfügige Aufschläge verbuchen auch der paneuropäische Euro-Stoxx 50 (plus 0,5 Prozent bei 3.761,13) und der Tokioter Nikkei-225 (plus 0,4 Prozent bei 10.696,82). Lediglich der deutsche DAX konnte zum oben genannten Zeitpunkt mit einem Stand von 5.122,81 Punkten ein etwas stärkeres Wochenplus von 1,2 Prozent verbuchen.
Auch für die nächste Woche erwarten Aktienexperten eine fortgesetzte Konsolidierungsbewegung nach der jüngsten liquiditätsgetriebenen Kursrally. Erste Bank-Analyst Alexander Sikora erwartet einen lustlosen Handel mit seitwärts gerichteter bis leicht schwächerer Tendenz. Nachdem zahlreiche wichtige Unternehmen ihre Zahlen zum Drittquartal bereits publiziert haben, sieht Sikora von Unternehmensseite keine großen Impulse mehr.
Die anstehenden US-Konjunkturdaten könnten hingegen etwas Volatilität in die Märkte bringen. Auch von charttechnischer Seite erwartet Sikora eine Bestätigung des Konsoliderungskurses. "Es gibt derzeit keine Indikation für einen großartigen Ausbruch nach oben", so Sikora, die technischen Oszillatoren würden weiter einen leicht überkauften Markt anzeigen.
Bis Jahresende sollte sich nach der aktuellen Konsolidierungsphase wieder eine freundliche Grundstimmung durchsetzen. "Keiner will mehr aus dem Markt rausgehen, jeder will früh genug dabei sein", so der Analyst. Das Tempo der Erholungsrally nach der Terrorserie in den USA sei aber vorerst nicht mehr zu erwarten.
Die Investoren würden sich derzeit auf leicht schwächere Fundamentaldaten im ersten Quartal und leicht positive im zweiten Quartal 2001 einstellen. Ob die damit zu erwartenden weiteren liquiditätsgetriebenen Kursanstiege auch fundamental gerechtfertigt seien, werde sich erst mit den Unternehmensergebnissen zum vierten Quartal zeigen. Sollten die Hoffnungen der Investoren enttäuscht werden, sei daher mit deutlichen Rückschlägen zu rechnen.
Genau diese Befürchtung hegt der Raiffeisen Zentralbank (RZB)-Analyst Helge Rechberger. Es sei "gut möglich", dass sich die jüngste liquiditätsgetriebene Rally in den nächsten 3 Wochen fortsetzt, spätestens dann sei aber eine Gegenbewegung fällig. Vor allem etwaige Ertragsrevisionen von Unternehmensseite im Dezember könnten die Märkte wieder in Richtung Süden schicken, zeigt sich Rechberger vorsichtig.
Dabei sei das Rückschlagspotenzial für die konjunktursensitiven zyklischen Aktien größer als für Papiere defensiver Branchen. Bereits in der abgelaufenen Woche konnten an den Weltbörsen Umschichtungen aus zyklischen Technologie- und Telekomwerten in konjunkturresistente Sektoren etwa der Pharma-Branche beobachtet werden. Der Erste Bank-Analyst Sikora sieht hingegen das positive Sentiment für Wachstumswerte trotz der Gegenbewegung der abgelaufenen Woche intakt.

