Freitag, 23. November 2001

OPEC von russischen Zugeständnissen enttäuscht

Nach langen, schweren Verhandlungen hat sich Russland schließlich doch bereit erklärt, die Ölfördermengen zu kürzen. Die OPEC hofft durch die Zugeständnisse der Nicht-Mitglieder Mexiko, Norwegen und Russland den permanent schwächelnden Ölpreis aufzufangen. Aber die bisher von Russland in Aussicht gestellten Mengen sind noch zu wenig.

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) zeigte sich nach der Ankündigung Russlands, ihre Ölfördermengen nur um 50.000 Barrel zu kürzen, enttäuscht. "Diese Kürzung wird auf keinen Fall ausreichen, um den Ölpreis wieder in die Höhe zu treiben. Möglicherweise haben wir Russland unterschätzt", hieß es am Freitag aus dem Kartell.

Ölpreise fielen erneut
Der Ölpreis fiel nach der russischen Entscheidung deutlich. Nordsee-Öl der Marke Brent verbilligte sich in London um 81 US-Cent auf 19,04 Dollar pro Barrel. Die OPEC will nun den Druck auf Russland erhöhen.

Das Kartell strebt einen Ölpreis über 22 Dollar pro Barrel (159 Liter) an. Dazu will sie ihre Förderung von Jänner an um 1,5 Mill. Barrel am Tag senken, wenn die Länder außerhalb des Kartells ebenfalls ihre Produktion um insgesamt 500.000 Barrel zurückfahren. Norwegen hatte am Vortag eine Kürzung der Förderung um 100.000 bis 200.000 in Aussicht gestellt - allerdings nur, wenn auch Russland die Produktion deutlich drosselt. Auch Mexiko hatte eine Kürzung um 100.000 Barrel grundsätzlich zugesichert. Die OPEC will die Produktion nicht im Alleingang abbauen, da sie den Verlust von Marktanteilen fürchtet.

Die Reduzierung der russischen Förderung um 50.000 Barrel am Tag soll bis Ende des Jahres gelten. Anfang Dezember soll über die Produktionsmenge im Jahr 2002 entschieden werden. Die russischen Ölgesellschaften hatten bereits die Bereitschaft zu einer deutlicheren Kürzung signalisiert. Der Präsident der Ölgesellschaft TNK hatte am Donnerstag eine Drosselung um 150.000 Barrel täglich vorgeschlagen. Der niedrige Ölpreis setzt Russland finanziell unter Druck, da der Haushalt stark von den Einnahmen aus dem Export von Erdöl und Gas abhängt.

23.11.2001 14:35