Donnerstag, 22. November 2001

RWE-Konkurrent E.ON in den USA auf Einkaufstour

Der Energiekonzern RWE AG hat im ersten Quartal seines seit Juli laufenden Rumpfgeschäftsjahres den Gewinn erwartungsgemäß kräftig gesteigert. Der Betriebsgewinn erreichte 903 Millionen Euro (12,43 Mrd. S) nach 605 Millionen Euro im Vergleichsquartal des Vorjahres. E.ON will inzwischen seinen Marktanteil in den USA ausbauen. Das Kartellamt prüft inzwischen die Megadeals der Stromgiganten.

Die Vergleichszahl schließt den übernommenen Ex-Konkurrenten VEW nicht ein. Bei Berücksichtigung dieses Deals ergebe sich für das Vorjahresquartal pro forma ein Betriebsergebnis von 655 Mill. Euro. Der Konzernumsatz stieg im abgelaufenen Quartal um 32,6 Prozent auf 16,8 Mrd. Euro.

Analysten hatten für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres im Durchschnitt einen Betriebsgewinn von 900 Mill. Euro vorausgesagt. RWE bekräftigte zudem die Prognose, im Gesamtjahr das Betriebsergebnis um bis zu 20 Prozent zu steigern.

Gewinn durch Themsen-Wasser
Die erstmalige Konsolidierung des Ende vorigen Jahres übernommenen britischen Wasserversorgers Thames Water Plc hat nach RWE-Angaben maßgeblich zu der Gewinnsteigerung beigetragen. Mit nur vier Prozent Umsatzanteil habe Thames Water bereits 23 Prozent des Betriebsergebnisses erwirtschaftet. Die Akquisition des nach RWE-Angaben drittgrößten Wasserunternehmens der Welt ist aber auch verantwortlich für das Finanzergebnis von minus 563 Mill. Euro. RWE hatte Thames Water teilweise fremdfinanziert. Auch die im September angekündigte Übernahme des US-Wasserversorgers Amerikan Water Works soll mit Hilfe des Kapitalmarkts bezahlt werden.

E.ON in den USA auf Einkaufstour unterwegs
Der weltweit zweitgrößte Energiekonzern E.ON aus Düsseldorf ist mit dicker Brieftasche auf Einkaufstour in den USA. "Wir möchten mittelfristig zur Spitzengruppe der größten Energieversorger in den USA gehören", sagte der Vorstandsvorsitzende Ulrich Hartmann. Die E.ON AG ist der schärfste Konkurrent der RWE. Sie will schon sehr bald noch zwei große Energieunternehmen in den Vereinigten Staaten zu kaufen.

Erst im April hatte E.ON einen "Doppelsprung" nach Großbritannien und die USA bekannt gegeben. Mit der Übernahme des Londoner Versorgers Powergen und dessen US-Tochter LG&E rückt E.ON auf den zweiten Platz hinter dem französischen Staatskonzern EdF vor. Für diesen größten Kauf in der Konzerngeschichte erwartet E.ON in den nächsten Wochen die Genehmigung der EU-Kommission in Brüssel. Der Powergen-Kaufpreis beträgt gut 15 Milliarden Euro (206 Mrd. S).

Bundeskartellamt hat Bedenken gegen Megafusionen
Der Präsident des Bundeskartellamts, Ulf Böge, hat große Bedenken gegen die geplanten Fusionen in der Mineralöl- und Gaswirtschaft. "Wir haben die Sorge, dass es in allen Bereichen zu einer Verstärkung der marktbeherrschenden Stellung kommen könnte", sagte er am Mittwochabend vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung Düsseldorf. Bei den geplanten Zusammenschlüssen geht es um die Übernahme der Tankstellenketten RWE- DEA durch Shell und von Aral durch BP sowie um den geplanten Mehrheitseinstieg des Energieriesen E.ON bei der Essener Ruhrgas AG. Alle Vorhaben werden derzeit vom Bundeskartellamt geprüft.

22.11.2001 11:00