Mittwoch, 21. November 2001

Gewerkschaften zeigen sich gesprächsbereit

Bei der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa kommen nach der Ankündigung, dass wegen der Luftfahrtkrise nun bis zu 4.000 Stellen abgebaut werden sollen, die zuvor festgefahrenen Gespräche über ein millionenschweres Sparprogramm wieder in Gang. Bei den Verhandlungen mit der Pilotenvereinigung Cockpit deutete sich sogar eine Einigung an. Der Finanzminister rief zum Verzicht auf Kündigungen auf.

Am Dienstagabend seien bei Sondierungsgesprächen neue Sparpakete vorgelegt worden, die jetzt diskutiert werden müssen, sagte Cockpit-Sprecher Georg Fongern in Frankfurt. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di machte deutlich, dass sie zur Fortsetzung der Gespräche für das Boden- und Kabinenpersonal grundsätzlich bereit sei. Bundes-Finanzminister Hans Eichel (SPD) rief die Lufthansa dazu auf, mit flexibleren Arbeitszeiten Kündigungen zu verhindern.

"Die Gesprächsatmosphäre war sehr konstruktiv", sagte Fongern zu den neuen Verhandlungen mit der Konzernspitze. Er zeigte sich optimistisch, dass eine Lösung gefunden werden kann: "Wir kriegen das schon hin", hofft der Cockpit-Sprecher. Zum genauen Inhalt der Gespräche wollte er sich aber nicht äußern. Von der Unternehmens-Führung verlautete, die Verhandlungen seien "konstruktiv" gewesen, auch wenn die Situation weiter schwierig bleibe.

Offiziell wollte sich die Lufthansa nicht äußern. Auch nannte sie weiterhin keine konkreten Zahlen zu den Kündigungen. Aus Unternehmenskreisen hatte es am Dienstag geheißen, dass 2.000 bis 4.000 Mitarbeiter gekündigt werden sollen.

Gewerkschaft hält Kündigungsbeschluss für Druckmittel
Ver.di wertet den Beschluss des Lufthansa-Vorstandes, Kündigungen einzuleiten, als Druckmittel in den laufenden Verhandlungen. Damit gefährdet die Konzernspitze allerdings den Betriebsfrieden, wie Ver.di meint. Gewerkschaftssprecher Ingo Schwope machte zugleich deutlich, dass ver.di zu "ernsthaften Verhandlungen" bereit sei. Ziel bleibe, betriebsbedingte Kündigungen zu verhindern. Die Verhandlungen seien allerdings durch das Vorgehen der Lufthansa nicht erleichtert worden.

Die Lufthansa hatte am Dienstag angekündigt, Kündigungen einleiten zu müssen. Sie nannte aber keine konkreten Zahlen. Nach Angaben des Konzerns soll in allen Geschäftsfeldern Mitarbeitern in der sechsmonatigen Probezeit gekündigt werden. Beim Kabinenpersonal wird demnach zunächst Kurzarbeit angestrebt. Wenn dies nicht reicht, soll es auch zu betriebsbedingten Kündigungen kommen.

Harte Verhandlungen
Die Gespräche mit den Belegschaftsvertretern über ein millionenschweres Sparprogramm waren unterbrochen worden, weil die Konzernleitung die Option auf Kündigungen nicht aufgeben wollte. Die Gewerkschaft hatte im Gegenzug ein Sparpaket im Umfang von 165 Mill. DM (84,4 Mill. Euro/1,161 Mrd. S) für das kommende Jahr angeboten. Die Cockpit-Beschätfigten hatten sich vor den neuen Gesprächen bereits bereit erklärt, die anstehende Gehaltserhöhung zu verschieben. Der Lufthansa reichten die Angebote aber nicht aus.

21.11.2001 15:23