Mittwoch, 21. November 2001

Wachstum in der Euro-Zone nach unten korrigiert

Die EU-Kommission geht in ihrer jüngsten Prognose für dieses Jahr von einem Wachstum von nur 1,6 Prozent in der Euro-Zone aus. Die Schätzung im Frühjahr lag noch bei 2,8 Prozent. Im kommenden Jahr schätzt die EU das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Euro-Zone auf 1,4 Prozent. In Bezug auf Österreich geht die Kommission, anders als die Bundesregierung, noch von einem Defizit aus.

Die EU-Kommission sagt Österreich für heuer noch ein Defizit von 0,2 Prozent und für 2002 ein Defizit von 0,4 Prozent voraus. Vor allem Unterschiede in den Wachstumsannahmen führten dazu, dass die EU nicht wie die österreichische Bundesregierung bereits heuer ein ausgeglichenes Budget erwartet, heißt es in der Herbstprognose der EU-Kommission, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Trotz Kindergeldes seien die Budgets 2001 und 2002 aber von spürbaren Sparbemühungen geprägt, strukturell verbessere sich das Budget wie geplant. Österreich schaffe trotz niedrigen Wachstums eine Verbesserung beim Defizit.

Die EU-Kommission geht davon aus, dass heuer mit Einmalmaßnahmen die Differenz zu einem ausgeglichenen Haushalt erreicht wird. Das positive Ergebnis des Budgets sei "eindeutig auf Kosten eines signifikanten Anstiegs der Steuerlast um 1,7 Prozentpunkte auf 45,6 Prozent des BIP erzielt" worden. Die Einnahmenseite habe mit 1,8 Prozent wesentlich stärker zur Budgetkonsolidierung beigetragen als im Stabilitätsprogramm vorgesehen. Die Budgetkonsolidierung verringere private und öffentliche Nachfrage, heißt es in der Prognose.

2002 werden die Auswirkungen der jüngsten Pensions- und Verwaltungsreformen die Kosten des Kindergeldes mehr als wettmachen. Auf Grund einer Verlangsamung des Wachstums und Einkommensausfällen nach zu hohen Steuervorauszahlungen werde das Defizit aber auf 0,4 Prozent wieder leicht zunehmen.

Defizit unter dem Durchschnitt der Euro-Zone
Österreich wird 2001 und 2002 aber erstmals seit einigen Jahren wieder ein Defizit haben, das unter dem Durchschnitt der Eurozone liegt. Auch die Inflationsrate wird 2001 mit 2,4 Prozent und 2002 mit 1,7 Prozent knapp niedriger sein als die der Eurozone (2,8 und 1,8 Prozent). Die Arbeitslosenrate wird von heuer 3,9 Prozent auf 4,3 Prozent im kommenden Jahr steigen, der Vergleichswert der Eurozone liegt über acht Prozent.

Beim Wachstum hinkt Österreich allerdings nach. Heuer legt die heimische Wirtschaft nur um 1,1 Prozent zu, während es die Eurozone auf ein Plus von 1,6 Prozent bringt. Nächstes Jahr kann Österreich mit einem Plus von 1,2 Prozent rechnen, die Eurozone hingegen mit einem Zuwachs um 1,3 Prozent.

Wachstum nach unten korrigiert
Die Eurozone wächst heuer nur um 1,6 Prozent und nicht wie im Frühjahr vorhergesagt um 2,8 Prozent, heißt es in der Herbstprognose der EU-Kommission, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Für EU-Währungskommissar Pedro Solbes gibt es eine "synchronisierte Verlangsamung" der Konjunktur, aber keine Rezession. Nur im vierten Quartal 2001 soll die EU-Wirtschaft schrumpfen. Er sehe schon "Licht am Ende des Tunnels", sagte Solbes vor der Presse, da bereits 2002 das Wachstum wieder einsetzen soll. 2003 werde die EU bereits wieder ihr Wachstumspotenzial ausschöpfen und um knapp drei Prozent zulegen.

Während die Inflation in der Eurozone 2002 unter zwei Prozent fallen soll, dürften die Defizite in den meisten EU-Staaten wieder steigen und auch die Arbeitslosigkeit wird von 8,3 auf 8,6 Prozent zulegen, sagt die EU-Kommission voraus.

Kandidatenländer können mit Wachstum rechnen
Die Kandidatenländer für einen EU-Beitritt können sich der weltweiten Abschwächung zwar nicht ganz entziehen, dürften aber - ohne Türkei - heuer und 2002 mit einem Wachstum von 3,1 Prozent rechnen und daher im Vergleich zur EU weiter aufholen, geht aus der EU-Herbstprognose hervor, die am Mittwoch zugleich mit der Konjunkturprognose für die EU veröffentlicht wurde. In der Türkei dürfte die Wirtschaft hingegen heuer um fast sieben Prozent schrumpfen.

21.11.2001 12:37