Nur noch Spar in mehrheitlich österreichischem Besitz

Mit dem Mehrheitsaktionärin Edeka im Rücken sagt Adeg den Lebensmittelketten Billa und Spar den Kampf an. Die Macht der deutschen Konzerne im heimischen Lebensmittelhandel steigt damit weiter. Ein weiterer Schritt in diese Richtung wurde mit der Aufstockung der Anteile der Edeka auf 75 Prozent an der Nummer 3 im österreichischen Lebensmittelhandel gesetzt. Unter den großen Lebensmittelketten ist in Österreich damit nur noch die Spar mehrheitlich in österreichischem Besitz.
Mit dem neuen Mehrheitseigentümer will Adeg in Zukunft den Abstand zu den beiden Marktführern BML (Billa, Mondo, Merkur) und Spar verringern. Edeka werde investieren und eine offensive Marktstrategie vertreten, sagte der neue Aufsichtsratsvorsitzende Herbert Hubmann am Montag.
Er sei überzeugt, dass sich der Marktanteil von derzeit rund 15 Prozent vergrößern lasse. Gedacht sei unter anderem an einen Ausbau der Verbrauchermarktschiene (Magnet). Der Wettbewerb in Österreichs Lebensmittelhandel sei mittlerweile so groß, dass Adeg ohne einen internationalen Partner nicht die Preise bieten könne, die der Kunde erwarte. Künftig will Adeg in Österreich preisagressiver vorgehen und bei einigen Produkten auf Diskonterniveau senken.
Edeka hatte Adeg bereits im den vergangenen Monaten stärker an die Leine genommen. Nach "wesentlichen Auffassungsunterschieden mit den Aktionären" war es im Jänner 2001 überraschenden zum Abgang des langjährigen Vorstandes Richard Liener gekommen. An seiner Stelle zog Hubert Pfenninger, bis dahin Einkaufsleiter der Edeka Chiemgau, in den Vorstand ein. Ende August hat der Aufsichtsratsvorsitzende und Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg, Kuno Riedmann, sein Mandat zurück gelegt, in seinen Augen war die Edeka-Anteilsaufstockung eine "unfreundliche" Übernahme. Ihm folgte Hubmann, der bis dahin stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender der Adeg Handels AG war.
Die Edeka ist ähnlich wie Adeg ein Zusammenschluss von selbständigen Kaufleuten. Im Vorjahr setzten die 10.682 (Stand Ende Dezember) selbständigen Lebensmittelhändler unter Edeka rund 61 Mrd. DM (430 Mrd. S), womit die Gruppe laut Hubmann deutscher Marktführer ist.
Adeg hat im Jahr 2000 mit 1.058 Einzelhandelsbetrieben sowie 26 AGM-Märkten und 8.108 Mitarbeitern (675 davon bei AGM) knapp 23 Mrd. S Außenumsatz gemacht. Zuletzt hat Adeg angekündigt, einen Großteil der noch 151 im Eigenbetrieb geführten Filialen (darunter 63 Adeg Contra-Märkte) an selbstständige Kaufleute abgeben zu wollen.

