Montag, 19. November 2001

Managementfehler Produktivitätskiller Nr. 1

Österreich befindet sich in einer "veritablen Produktivitätskrise". Das ist - zusammen gefasst - das Ergebnis der vom Produktivitäts-beratungsunternehmen Czipin & Proudfoot Consulting GmbH am Montag in Wien vorgelegten "Globalen Produktivitätsstudie 2001". Detail der Studie: Immerhin 40 Prozent der Arbeitszeit werden unproduktiv verbracht.

Die Produktivitätserwartungen befinden sich nicht zuletzt auf Grund des 11. September im "Sturzflug". Erwarteten sich im Februar 2001 noch 59 Prozent der heimischen Unternehmer eine Produktivitätssteigerung, so sind es jetzt nach den Terroranschlägen in den USA weniger als die Hälfte. Glaubte man im Februar 2001 mit der Prognose von 3,0 Prozent bereits die Tahlsohle erreicht zu haben, ist für 2001 nun nur mehr mit einer Produktivitätssteigerung von 2,1 Prozent zu rechnen, so Czipin & Proudfoot-Geschäftsführer Alois Czipin, der dieses Ergebnis als "erschreckende Mutlosigkeit" der österreichischen Unternehmer bezeichnet. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten komme der Nutzung von Produktivitätspotenzialen ein bedeutende Rolle zu. Diese Potenzial müsse genutzt werden. Ansonsten könnte es ein "böses Erwachen" geben, warnt Czipin.

Der Produktivitätsexperte hält in den heimischen Betrieben ein Produktivitätspotenzial von 25 Prozent für möglich. "Noch immer werden 40 Prozent der Arbeitszeit, das sind 90 von 225 Arbeitstagen, unproduktiv verbracht", so Czipin.

An erster Stelle der Hitliste der globalen Produktivitätskiller liegen laut Czipin unangefochten die Managementfehler, gefolgt von einer Reihe weniger bedeutender Produktivitätskiller wie mangelnde Arbeitsmoral, Kommunikationsprobleme und mangelnde Qualifikation. Als konkrete Maßnahmen empfiehlt Czipin klare Ziele für alle Mitarbeiter, Förderung des proaktiven Verhaltens der Führungskräfte, bewegliche Organisation der Unternehmen, transparente Managementsysteme und externe Beratung.

Der nach eigenen Angaben führende Produktivitätsberater Österreichs ortet zugleich einen weltweit dramatischen Rückgang bei der Produktivitätssteigerung. Laut der erstmals global angelegten Produktivitätsstudie wird sich im Jahr 2001 die Produktivitätssteigerung in den EU-Ländern im Durchschnitt halbieren, in den USA um 40 Prozent einbrechen und in Japan sogar um 78 Prozent auf nahezu null Prozent sinken. Nur Australien und Südafrika sollten ihre Produktivitäts-Levels halten können.

Die globale Unproduktivität beläuft sich laut Studie auf 43 Prozent der Arbeitszeit oder durchschnittlich 96 Arbeitstage im Jahr. Dabei zeigt sich eine klare "Zwei-Klassen-Produktivitätsgesellschaft" in der Weltwirtschaft: mit einer "Unproduktivität" von 39 Prozent liegen Deutschland und die USA sowie Österreich mit 40 Prozent Kopf an Kopf an der Spitze der untersuchten Länder. Abgeschlagen zurück liegt eine zweite Gruppe mit Frankreich (46 Prozent), Großbritannien (52 Prozent) und Ungarn mit 47 Prozent Unproduktivität.

Die Studie basiert auf der Auswertung von 1.500 Einzelstudien in Österreich, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Ungarn, sowie einer repräsentativen Untersuchung in neun Ländern und vier Kontinenten.

19.11.2001 15:18