Gemeinsame Lösung: Abwicklung um 30% billiger

Eine spektakuläre Allianz bahnt sich in Österreichs Bankenszene an: Bank Austria/Creditanstalt (BA/CA), BAWAG/P.S.K. sowie Erste Bank inklusive des gesamten Sparkassensektors überlegen, ihren Zahlungsverkehr zusammenzulegen. Erste Gespräch darüber gab es bereits, ob das Projekt tatsächlich zustande kommt, soll im zweiten Quartal 2002 feststehen. Die geplante Allianz könnte die Abwicklung des Inlandzahlungsverkehrs um 30 Prozent billiger machen.
Der Zahlungsverkehr ist für die Banken seit langem ein Sorgenkind. Auch wenn sich Kunden über steigende Gebühren ärgerten, ergab eine McKinsey-Studie, dass die Unterdeckung (Verlust) im Zahlungsverkehr pro Jahr bei allen Geldinstituten insgesamt 3 Mrd. S (218 Mill. Euro) ausmacht. In den einzelnen Häusern versuche man zwar, den Zahlungsverkehr weiter zu rationalisieren. Deutliche weitere Kostenreduktionen seien aber im Alleingang nicht möglich, sondern nur durch eine institutsübergreifende Lösung, so Erasim.
Während die Erste Bank sowie die Sparkassen ihren Zahlungsverkehr bereits aus der Bank ausgegliedert haben, müsste dies bei den beiden anderen Bankengruppen noch geschehen, um tatsächlich mit der großen gemeinsamen Lösung starten zu können. Die an der geplanten Allianz beteiligten Institute haben derzeit am inländischen Zahlungsverkehr einen Marktanteil von rund zwei Drittel. Eine Zusammenlegung könnte eine Kostenersparnis von bis zu 30 Prozent bringen.
Weitere Partner sind denkbar
An das geplante System könnten noch weitere Partner andocken. Denkbar wäre dies etwa beim Raiffeisen-Geldsektor, konkret dem Bereich Wien, Niederösterreich und Burgenland. Karl Stoss, der demnächst vom P.S.K.-Vorstand in den Vorstand der Raiffeisen Zentralbank wechselt, war einer der Mit-Initiatoren des Projekts.
Mit einer "großen" Lösung im Zahlungsverkehr wären nicht nur Verbilligungen im Inland möglich. Die Banken kommen zunehmend bei den Gebühren für Auslandsüberweisungen unter Druck. Die EU verlangt wie berichtet, dass Transaktionen innerhalb des Euro-Gebiets künftig nicht mehr kosten dürfen als reine Inlandsüberweisungen.
Ein Vorbild für den gemeinsamen Zahlungsverkehr ist das heimische Bankomat-System. Kartellrechtliche Probleme bei einer Zusammenlegung des Zahlungsverkehrs fürchtet man nicht.

