Donnerstag, 22. November 2001

Fußball-Gott war nicht grün-weiß

Die kalte Dusche im eiskalten Hanappi-Stadion kam für Rapid in der 93. Minute. Vladimir Janocko traf in der Nachspielzeit des 227. Großen Wiener Derbys zwischen Rapid und der Austria zum 1:1-Endstand. Rapid-Trainer Lothar Matthäus zweifelte an einer höheren Macht. Rapid-Manager Werner Kuhn ist wieder in Bremen um über die Freigabe fur Herzog zu verhandeln.

"Der Fußball-Gott ist derzeit sicher nicht grün-weiß. Aber irgendwann werden wir uns das Glück erarbeiten und der Fußball-Gott wird wieder positiven Einfluss auf Hütteldorf haben. Das Unentschieden ist jedoch ein korrektes Ergebnis", sagte Lothar Matthäus nach seinem ersten Duell mit dem Stadtrivalen.

Mit Predigt Team geweckt
Dabei hatte erst eine Matthäus-Predigt in der Halbzeit sein Team erweckt. Nach drei zu-Null-Niederlagen in Folge fehlte Rapid zunächst das Selbstvertrauen, war eine Hälfte lang von Poschner, Taument und Co. wenig zu sehen. Die Fans verloren schon nach 19 Minuten ihre Geduld. "Hol endlich Herzog", skandierte die West-Tribüne in Richtung Klubpräsident Rudolf Edlinger, der auch mit einem Transparent (Sparefroh Rudolf Edlinger) zur Öffnung der Klubkasse aufgefordert wurde. Vielleicht ist dies bald der Fall, am Montag flog Manager Werner Kuhn zu Verhandlungen nach Bremen. Der ÖFB-Teamkapitän saß am Samstag beim 4:1 von Werder auf Schalke auf der Ersatzbank, die er ja schon seit etlichen Wochen drückt.

Rapid kann mehr
Dass Rapid auch ohne Herzog mehr leisten kann, als der neunte Tabellenrang ausweist, bewies die Elf nach der Pause. In der Kabine fand "Teamchef" Matthäus offenbar den richtigen Zugang. "Ich habe versucht, die Mannschaft wach zu rütteln, den Spielern gesagt, dass die Austria nicht übermächtig ist. Dann hat die Mannschaft das gespielt, was ich erwarte", erklärte der Rapid-Trainer. Der Lohn war das 1:0 durch Wallner (74.).

Gerechter Ausgleich
Der Fußball-Gott, um bei den Matthäus-Worten zu bleiben, war an diesem Sonntag aber gerecht. Nach einem Pass von Martin Hiden war Austria-Spielmacher Janocko völlig frei und rettete seinem Austria Betreuer-Duo Walter Hörmann/Toni Pfeffer die Derby-Premiere. "Wir haben Glück gehabt, keine Frage. Aber wenn man das ganze Spiel gesehen hat, ist das 1:1 nicht unverdient. Wir haben in der ersten Hälfte leider das eine oder andere Tor nicht gemacht, die Chancen waren da. In der zweiten Hälfte waren wir aber nicht mehr so aggressiv, da haben wir uns das Spiel aus der Hand nehmen lassen und Rapid ist immer stärker geworden", sagte Pfeffer.

Beide Mannschaften trotzdem zuversichtlich
Doch so wenig der eine Punkt sowohl der sechstplatzierten Austria als auch dem Vorletzten Rapid (unverändert mit den zweitwenigsten Toren der Liga) weiter hilft, so zogen doch beide Seiten Zuversicht aus der Partie. "Wir haben Moral gezeigt und durch den Ausgleich können wir wieder rosiger in die Zukunft schauen", meinte Pfefffer. "Fußball spielt sich im Kopf ab, auf die zweite Hälfte kann man aufbauen. Die Mannschaft hat gezeigt, was sie kann. Ich hoffe, in den letzten zwei Spielen vor der Winterpause bringen wir eine ähnliche Leistung", betonte Matthäus und blickte für beide Teams optimistisch in die Zukunft: "Wenn sich Erfolgserlebnisse einstellen, werden wir auch wieder Spitzenfußball in Wien sehen." Vielleicht auch wieder mit Wienern. Denn am Sonntag war - mit Ausnahme von Schiedsrichter Wolfgang Sowa - kein einziger auf dem Platz.

Ergebnisse der 21. Runde

VfB Admira/Wacker Mödling - Sturm 3:4 (1:2)
GAK - SW Bregenz 5:0 (2:0)
SV Ried - FC Tirol 0:1 (0:0)
FC Kärnten - SV Salzburg 3:1 (1:1)
Rapid Wien - Austria Wien 1:1 (0:0)

22.11.2001 13:47