Mittwoch, 21. November 2001

SPEZIAL: ALLE INFOS ZU HERMANN MAIER

Eigentlich hätte das Weltcup-Finale in Altenmarkt-Zauchensee und Flachau "sein" Finale werden sollen, doch das Schicksal machte Hermann Maier einen Strich durch die Rechnung. Nach dem schweren Motorrad-Unfall im August leidet der "Herminator" noch immer an den Folgen, Ski fahren ist nach wie vor kein Thema. Und so wird der 29-Jährige nur den Riesentorlauf am Sonntag in seiner Heimatgemeinde verfolgen. Doch nebenbei arbeitet er nach der Rückkehr von seinem Urlaub in Florida und auf den Bahamas schon wieder mit Volldampf am Comeback.

Den Einsatz als Vorläufer in Flachau musste er allerdings streichen: "Ich bin noch zu schlecht. Das Ski fahren geht noch nicht und so bringt das ja nichts." Doch Maier hat im Urlaub wieder Lust auf mehr bekommen. Er hat sich erholt - in jeder Hinsicht. Sieben Monate nach seinem Unfall ist er schon wieder bis auf drei Kilogramm an sein altes "Kampfgewicht" von 93 kg herangekommen, die Heilung macht Fortschritte.

Am Montag wartet in Salzburg allerdings noch eine Operation: "Die drei Schrauben werden entfernt, der Knochen sollte so noch besser zusammenwachsen. Damit bleibt nur mehr der lange Nagel drinnen, der bleibt." Läuft alles nach Plan, will er Ende April wieder auf Skiern stehen.

Sonne, Meer und Strand waren für Maier wie ein Elixier, eine Möglichkeit, auch andere Interessen zu verfolgen. "Ich habe viel getaucht, zuerst in Key West und dann auf einem Schiff in der Karibik. Bis zu 40 Meter Tiefe sind wir gegangen, ein paar Profitaucher haben uns auch zu einer spanischen Galeere mitgenommen. Das war beeindurckend - fast so wie die Haie, die bis zu zwei Meter nahe kamen."

Dazu hat er mit dem Urlaub, nicht unbewusst, auch Olympia links liegen lassen. "Leider war auch auf den Bahamas bis auf den Eislaufskandal nichts gesehen. Erst den Slalom habe ich nach meiner Rückkehr anschauen können", sagte Maier. Gehört hat er aber davon, dass das Video seines Sturzes von Nagano samt glorreicher Fortsetzung bei Eröffnung und jedem Ski-Rennen zu sehen war. "Das ist für mich ja fast eine größere Auszeichnung als Gold", sagt er stolz.

Gehört hat Maier auch vom angeblich gedopten Alain Baxter. Der Brite brachte das Thema Doping auch in den Skisport. "Das überrascht mich, denn normal bringt das im Skifahren nichts, weil es viel mehr auf Material und Technik ankommt. Aber vielleicht ist Baxter der Slalom zu langsam gewesen, da hat er so was Ähnliches wie Speed genommen", so Maier. Grundsätzlich aber sei sein Sport ein sauberer, "wenn man davon absieht, dass einige am Start immer in den Schnee pinkeln", scherzte der Salzburger.

Maier: "Habe wieder Lust bekommen"
Der Schmäh rennt wieder bei Maier, fast wie in früheren Zeiten. Ein gutes Zeichen, auch für die Zukunft. Denn Maier will es auf alle Fälle wieder mit dem Weltcup probieren. "Ich bin ja in Wahrheit erst vier Jahre Weltcup gefahren, da war ich ja länger Skilehrer. Ich will wiederkommen, einfach weil es Spaß macht." Doch er weiß, dass er die Erwartungen neu definieren muss. "Man kann nicht erwarten, dass ich gleich wieder gewinne - nach einem Jahr Pause mit diesen Verletzungen. Aber das ist auch nicht mein Ziel, ich will vor allem wieder fahren können." Denn auf Dauer sind Dinge wie Tauchen und Reisen zwar schön, aber wohl nicht genug.

Den Hut zieht er inzwischen vor seinem Nachfolger als Weltcup-Sieger, Stephan Eberharter. "Es ist nicht so einfach, alles zu gewinnen, auch wenn es ein paar Ausfälle gab. Es ist einfach eine Super-Leistung. In Österreich hat es ja in Gerangel gegeben, wer in meine Fußstapfen tritt. Und Gott sei Dank hat sich einer aus unserer Mannschaft herauskristallisiert", erklärt Maier. Allerdings war für ihn der Unfall von Silvano Beltrametti weit einprägender. Ansonsten war das Winter-Jahr für ihn fast zu kurz. "Es geht viel schneller vorbei. Ich weiß gar nicht, warum alle immer so jammern, dass das so anstrengend ist", sagt er mit einem Lächeln. "Aber ernsthaft: Wenn man dabei ist, kostet das schon enorm viel an Substanz."

Maier hat in der Zeit nach seiner Verletzung viel erlebt. Das Medieninteresse war bis Kitzbühel, als er seinen Olympia-Verzicht bekannt gab, enorm. "Der Frühschoppen jeden Mittwoch in Obertauern war ein Wahnsinn. Von CNN bis zur größten Tageszeitung der Welt, alles war da. Das war sogar für mich ein bisschen neu." Die Verpflichtungen liefen weiter, für Sponsor Raiffeisen drehte er erst am Wochenende in Prag einen neuen TV-Spot, am Donnerstag stellt er in Flachau sein eigenes wirtschaftliches Standbein vor. Da schmerzt es auch nicht, dass sein Einkommen etwas geschrumpft ist. "Das Preisgeld fällt weg, außerdem schaut in Euro alles weniger aus", erklärte er.

21.11.2001 15:16