Samstag, 24. November 2001

Verträge noch nicht unterschrieben

Nicht nur die Live-Ausstrahlung von Spielen der Fußball-WM 2002 ist derzeit äußerst ungewiß. Auch für die Formel-1-Saison 2002 ist der Vertrag noch nicht unterschrieben. Nur der Wintersport genießt noch volle Unterstützung am Küniglberg.

Der ORF-Sport berichtet auch 2002 live von allen Topevents. So stand es am 10. Oktober in der umfangreichen Dokumentation zur Vorstellung des ORF-Programms 2002. Doch daß sportbegeisterte Zuschauer ihre Lieblingsathleten kommendes Jahr wirklich in gewohntem Umfang live sehen können, ist nicht sehr wahrscheinlich. Die Übertragung der Fußball- WM beispielsweise, in den vergangenen Jahrzehnten alle vier Jahre ein fixer Programmpunkt beim öffentlich-rechtlichen Staatsfunk, steht auf des Messers Schneide. Und vieles deutet darauf hin, daß von den Spielen in Japan und Südkorea nur Zusammenfassungen zu sehen sein werden.

Formel-1 nicht fix
Auch die Übertragung der Formel-1- Rennen ist noch nicht fix. Und die Uefa-Champions-League- Rechte hat der ORF zwar noch für den laufenden Bewerb und für die Saison 2002/ 03, doch ob das per neuem Gesetz zum Sparen gezwungene Unternehmen auch danach die noch nicht feststehenden hohen Kosten für die Übertragungsrechte zahlen wird, kann derzeit beim Sender niemand beantworten. Nicht zu übersehen ist jedoch, daß nach dem blamablen 0: 5 der österreichischen Fußballnationalmannschaft gegen die Türkei und der damit verpaßten WM-Fahrkarte beim ORF das Interesse an der Fußball- WM schlagartig geringer wurde. Zumal es um viel Geld geht. Denn der deutsche Medienmogul Leo Kirch, der die globalen Verwertungsrechte sowohl für die WM 2002 in Südkorea und Japan als auch für 2006 in Deutschland um satte 24 Milliarden Schilling erworben hat, will und muß Kasse machen. Und fordert vom ORF 120 bis 150 Millionen Schilling für die Live-Übertragung der WM-Spiele 2002.

Horrende Summen
Diese Summe ist nicht nur ORFSportchef Elmar Oberhauser viel zu hoch. Sie wäre auch nicht annähernd wieder hereinspielbar. Denn einerseits läßt die verpatzte Qualifikation der heimischen Kicker das Publikumsinteresse erlahmen, andererseits sind die Spiele in europäischen Breiten wegen der Zeitverschiebung fast sämtlich in den frühen Morgenstunden live zu sehen. Und das würde höchstens ein paar Hardcore- Fußballfreaks vor den Schirm locken – die Werbewirtschaft aber eher kalt lassen. Besonders eilig hat es der ORF derzeit jedenfalls nicht, mit Kirch doch noch einen Deal zu machen. Sportchef Elmar Oberhauser plant zwar nach Auskunft des ORF noch weitere Gespräche mit der Kirch-Gruppe, doch nur wenn Kirch von seinen derzeitigen Vorstellungen sehr weit nach unten abweicht, scheint ein Vertrag möglich. ORF-Insider vermuten gar, daß Oberhauser die Entscheidung so lange hinauszögert, bis Anfang kommenden Jahres die neue ORF- Geschäftsführung bestellt ist. Denn Oberhauser werden als Wunschkandidat von Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer gute Chancen auf den Posten des Fernsehdirektors eingeräumt. Und gemeinsam mit seinem Nachfolger als Sportchef könnte er dann noch immer versuchen, die Münchner Rechtehändler zum Verkauf von zumindest ein paar WM-Highlights für deutlich weniger Geld zu überreden.

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24.11.2001 14:43