Mittwoch, 21. November 2001

Fußball-Legende beteuert seine Unschuld

Das "Saubermann"-Image der brasilianischen Fußball-Legende Pele hat schwere Kratzer bekommen. Eine bekannte Firma des 61-Jährigen, die "Pele Sports & Marketing", hat laut Medieninformationen 700.000 Dollar (796.088 Euro/10,95 Mio. S) des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen, UNICEF, unterschlagen. In einer ersten Reaktion bestätigte Pele am späten Dienstagabend den Betrug, wies eine Beteiligung an den Vorgängen jedoch zurück.

"Ich wusste gar nicht, dass die Geld unterschlagen haben", sagte er in New York, wo er zusammen mit dem Weltverband (FIFA) derzeit die Kinderhilfskampagne für die Fußball-WM-Endrunde 2002 in Südkorea und Japan vorbereitet. Pele sagte, er habe nach Bekanntwerden der Vorwürfe sofort eine eingehende firmeninterne Untersuchung der Vorfälle angeordnet. In dem Sportmarketing-Unternehmen ist der "FIFA-Fußballer des Jahrhunderts" Partner eines langjährigen Freundes, des brasilianischen Journalisten Helio Vianna. Er habe seit längerem Unregelmäßigkeiten in der Firma mit Sitz in Rio de Janeiro vermutet, meinte Pele.

Gelder für Phantom-Spiel
Der Skandal war von der Zeitung "Folha" aufgedeckt worden. Nach einem Bericht des Blattes soll "Pele Sports & Marketing" 1995 von der UNICEF 700.000 Dollar kassiert haben, um ein Benefizspiel in Argentinien zu organisieren. Das Spiel fand jedoch nie statt, die Organisationsgelder verschwanden auf Nimmerwiedersehen.

Pele unter Zugzwang
Pele beteuert seine Unschuld. "Ich helfe UNICEF seit 32 Jahren. Wer mich kennt, der weiß, dass ich so etwas nie machen würde", erklärte der dreifache Weltmeister. Er wolle den Verantwortlichen ausfindig machen. Dies wird in der Öffentlichkeit erwartet. "Pele ist unter Zugzwang und muss Beweise für seine Unschuld vorlegen, schließlich handelt es sich um sein Unternehmen. Hat er keine Kontrolle darüber?", meinte ein Kommentator des Sportfernsehsenders ESPN Brasil.

Fallen 170 Millionen in Depression?
"Seine Majestät Pele ist nicht mehr der absolute König", urteilte die Zeitung "Jornal do Brasil". Die Sportzeitung "Lance" will herausgefunden haben, dass Pele als Geschäftsmann Verträge mit gefälschten Daten unterzeichnet hat. "Pele muss die Sache so schnell wie möglich aus der Welt schaffen, damit seine Bewunderer, und das sind 170 Millionen Brasilianer, nicht in tiefe Depressionen geraten", meinte der angesehene Sportjournalist Juca Kfouri.

21.11.2001 16:15