Sonntag, 25. November 2001

Vatikan erzürnt über Embryonen-Klone

  • Experte: Verfahren nicht neu

NEIN! Mit aller Schärfe verurteilt der Vatikan das, was Wissenschafter in Amerika getan haben: "Das ist eine Niederlage für die gesamte Menschheit..." Das Tabu wurde gebrochen: Experten haben ein menschliches Embryo geklont (Übersichtsgrafik)! Weltweit protestierten wütende Klon-Gegner. Laut Wiener Experte Johannes Huber ist der Vesuch "vom wissenschaftlichen Standpunkt her keine intellektuelle Hochleistung..."

Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber ist Vorstand der klinischen Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Sterilitätsbehandlung. Er nennt das Verfahren eine "Spielerei". Huber: "Die Teilung von Eizellen ohne Befruchtung kennen wir seit rund 30 Jahren. Auch die Klonierung von Embryonen ist vor rund zehn Jahren bereits durchgeführt worden." Aber: "Solche Sachen versprechen immer Brisanz", daher gebe es gerade jetzt große Aufregung um die Arbeit des US-Teams. Huber: "Man muss eben Interesse wecken."

Der Mediziner bezeichnete das Aufsehen um diese Klonierung als eher "kontraproduktiv, weil man damit ohnehin nicht viel machen kann". Es wundere ihn, dass man ohne ausreichende Tierversuche an die Klonierung eines menschlichen Embryos herangehe. "Ich brauche ja auch bei jedem Medikament eine umfangreiche Tierversuchsreihe, bevor ich es auf den Markt bringe. In diesem Fall gibt es so etwas überhaupt nicht", konstatierte Huber.

Der menschliche Körper selbst betreibe eine Art Stammzellen-Klonierung. "Viel interessanter ist es, wie er das tut - und das wird derzeit erforscht". Dies sei auch wesentlich aussichtsreicher für medizinische Belange, erklärte der Experte.

USA: Erstmals menschliches Embryo geklont
Die Schockmeldung vom Sonntag: Erstmals haben Wissenschafter einen menschlichen "Embryo" geklont. Dieser soll als Quelle für embryonale Stammzellen dienen, sagte die "Advanced Cell Technology Inc." (Worcester/US-Bundesstaat Massachusetts). Das Unternehmen will das therapeutische Klonen propagieren. Mit der Klon-Technologie wollte man Zellbälle zur Gewinnung von Stammzellen herstellen. Stammzellen sind wegen ihrer Wandlungsfähigkeit möglicherweise in der Lage, abgestorbenes Gewebe in jedem Organ zu ersetzen.

Veröffentlicht wurden die neuesten Forschungsergebnisse über das "humane Klonierungs-Experiment" im Online-Gentechnik Journal "E-biomed". Mary Ann Liebert, die Herausgeberin der Internet-Fachzeitschrift: "Das ist ein wirklicher Meilenstein für das therapeutische Klonen. Diese vorläufigen Resultate bestärken die Hinweise darauf, dass das Reprogrammieren von menschlichen Zellen möglich ist. Sie sind natürlich auch bedeutend für das immer größer werdende Feld der 'regenerativen Medizin'."

In den USA dürfen Klonierungs-Experimente am Menschen nicht durch staatliche Mittel unterstützt werden. Privaten Unternehmen sind sie erlaubt.

Bush bekräftigt Nein zum Klonen menschlicher Embryos
"US-Präsident George W. Bush ist entschieden gegen diese Art des Klonens. Er hofft, dass der US-Kongress möglichst rasch ein entsprechendes Gesetz verabschiedet," sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jennifer Millerwise.

Auch der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Tom Daschle, nannte die Berichte "beunruhigend" und kündigte an, dass der Senat einen scharfen Blick darauf werfen werde. Der republikanische Senator Richard Shelby sagte ebenfalls, er glaube nicht, "dass wir das Klonen menschlicher Embryos weitergehen lassen werden".

Das Abgeordnetenhaus hatte im Juli bereits ein Gesetz zum Bann des Klonens menschlicher Embryos gebilligt. Im Senat liegt eine ähnliche Vorlage zur Verabschiedung vor. Bush selbst hatte in diesem Jahr grünes Licht für eine begrenzte finanzielle Förderung der Forschung an embryonalen Stammzellen gegeben.

Vatikan: Klonen von Embryonen ist inakzeptabel
Als "inakzeptabel" und als "Niederlage für die Menschheit" haben mehrere vatikanische Funktionäre das erste Klonen von menschlichen Embryonen in den USA bezeichnet. Auch ein therapeutischer Zweck rechtfertige nicht, Embryos und damit menschliche Wesen zu erzeugen und "sie dann zu opfern, um andere menschliche Wesen zu heilen", betonte Kardinal Ersilio Tonini, Alterzbischof von Ravenna und Mitglied einer italienischen staatlichen Expertenkommission zu Bioethik-Fragen, in der Tageszeitung "Il Giornale" vom Montag.

Bischof Elio Sgreccia, Vizepräsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, sagte, "Klonen ist ohne Wenn und Aber zu verurteilen". Kein noch so edler Zweck, auch nicht hypothetische - und keinesfalls bewiesene - Vorteile für die Wissenschaft, für andere Menschen oder die ganze Menschheit könnten das Experimentieren mit Embryonen oder lebenden menschlichen Föten innerhalb oder außerhalb des Mutterleibs rechtfertigen. Klonen sei mit der Moral unvereinbar, da es der Würde der menschlichen Fortpflanzung und der ehelichen Verbindung widerspreche.

Als "erschütternd" bezeichnete auch Erzbischof Tarcisio Bertone, Sekretär der Glaubenskongregation, die Klon-Nachricht. Es bleibe zu hoffen, dass das Weltgewissen aufbegehre und solche Initiativen bremse, sagte er. Wenn ein Embryo für die Erzeugung von Stammzellen geopfert werde, bedeute das in ethischer Hinsicht die Beseitigung eines schuldlosen menschlichen Lebens. Für die Kirche sei das menschliche Klonen inakzeptabel. Bertone forderte international einheitliche Normen für die Biotechnik.

25.11.2001 16:51