Verständnis für Vorgehen in Tschetchenien

NATO-Generalsekretär George Robertson hat Russland eine neue Partnerschaft nach dem Ende des Kalten Krieges angeboten. "Wieder einmal haben wir denselben Feind, diesmal ist es der weltweite Terrorismus", sagte Robertson bei einem Treffen mit dem russischen Verteidigungminister Sergej Iwanow am Donnerstag in Moskau. Nach dem Sieg über den Nationalsozialismus hätten der Westen und die Sowjetunion die Chance zur Zusammenarbeit verpasst. Heute müssten sie "etwas Besseres und Dauerhaftes" aufbauen, betonte Robertson.
Iwanow sagte, Russland sei "bereit für eine gleichberechtigte Zusammenarbeit" mit der NATO. Russland kooperiere auf bilateraler Ebene bereits eng mit vielen NATO-Staaten. "Wir sind bereit, diese Zusammenarbeit auch auf die NATO als Ganzes auszudehnen", bekräftigte er. Hauptziele müssten die Bekämpfung des Terrorismus und des Drogenhandels sowie die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen sein.
Er machte aber erneut Moskaus Ablehnung des von den USA geplanten nationalen Raketenabwehrsystems deutlich. "Kein Land kann sich verteidigen, indem es einen Zaun um sich baut, egal, wie hoch dieser Zaun ist", sagte er im Gespräch mit Robertson. Dieser erklärte, die NATO halte an den Plänen für eine Erweiterung fest. Eine Mitgliedschaft der russischen Nachbarstaaten im westlichen Bündnis bedeute auch mehr Sicherheit für Russland.
Verständnis für Vorgehen in Tschetchenien
Verständnis äußerte der NATO-Generalsekretär für das Vorgehen der russischen Führung in der abtrünnigen Kaukasusrepublik Tschetschenien. Die westliche Allianz habe seit den Terroranschlägen vom 11. September in den USA ihre Meinung in dieser Frage geändert, sagte Robertson. Die NATO beobachte den Konflikt insbesondere wegen der Opfer unter den Zivilisten allerdings weiter mit Sorge. "Wir müssen weiterhin unsere Sorgen ausdrücken, allerdings nicht über die Ziele, sondern über die Methoden Russlands", sagte Robertson.
"Ein neues Vertrauensverhältnis"
Moskau forderte zuletzt ein Mitspracherecht im westlichen Verteidigungsbündnis. Robertson sprach von einem "Vertrauensverhältnis", das zwischen Russland und der NATO im Entstehen sei. Für kommenden Monat lud er Iwanow in das NATO-Hauptquartier in Brüssel ein.
Zum Abschluss seines Russland-Besuches wird Robertson am Freitag mit Außenminister Igor Iwanow und Präsident Wladimir Putin zusammentreffen. Donnerstag früh legte er vor seinem Flug nach Moskau einen Kranz am Ehrenmal für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen sowjetischen Soldaten in Wolgograd, dem früheren Stalingrad, nieder.
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