Mittwoch, 21. November 2001

Angeblich an Massaker beteiligt

Kroatien hat am Mittwoch den als Kriegsverbrechergesuchten bosnischen Kroaten Pasko Ljubicic an das Haager UNO-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien ausgeliefert. Dem 35 -jährigen ehemalige Militärpolizist wird die Beteiligung an einem Massaker vorgeworfen.

Dem bosnischen Kroaten wird unter anderem Beteiligung an dem Massaker Ahmici zur Last gelegt, bei dem im April 1992 mehr als 100 moslemische bosniakische Zivilisten, meist Frauen und Kinder, niedergemetzelt worden.

Im vergangenen Juli hatte sich der kroatische General Rahim Ademi, der albanischer Abstammung ist, dem Haager UNO-Tribunal gestellt. In dem Prozess gegen den bosnisch-kroatischen General Tihomir Blaskic, dem einstigen Vorgesetzten von Ljubicic, vor dem Haager UNO-Tribunal war der inzwischen verstorbene kroatische Ex-Staatschef Franjo Tudjman selbst ins Visier der Anklage geraten. Blaskic wurde vom Haager Tribunal zu 45 Jahren Haft verurteilt.

Maßgebliche Zeugen, deren Identität aus Sicherheitsgründen geheim gehalten wurde, sagten aus, Tudjman sei der Hauptverantwortliche für die Vertreibungen und Morde an moslemischen Zivilisten in Zentralbosnien. Der wegen zahlreicher Verbrechen verurteilte bosnische Kroatenführer Dario Kordic, "Vizepräsident" des illegalen Separatstaates "Herceg-Bosna", war Chef des bosnischen Ablegers von Tudjmans Nationalistenpartei HDZ.

Die Zustimmung Kroatiens zur Auslieferung mutmaßlicher Kriegsverbrecher an das Haager Tribunal hatte eine Regierungskrise in Zagreb ausgelöst. Ministerpräsident Ivica Racan hatte erklärt, nach der Auslieferung des jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic durch Belgrad bleibe Zagreb keine andere Wahl, ohne internationale Isolierung und möglicherweise Sanktionen zu riskieren.

21.11.2001 10:10