Dienstag, 20. November 2001

Demonstration ausländischer Falun-Gong-Anhänger

Bei einer Protestaktion gegen Menschenrechtsverstöße in Peking sind auf dem Platz des Himmlischen Friedens im Zentrum der chinesischen Hauptstadt drei Dutzend europäische und andere ausländische Mitglieder der Bewegung Falun Gong festgenommen worden. Auch vier Journalisten wurden abgeführt. Nach zwei Stunden wurden sie wieder auf freien Fuß gesetzt.

Vier fotografierende Touristen wurden ebenfalls vorübergehend festgenommen.

Mit ihrer Aktion wollten die Falun-Gong-Mitglieder aus neun Ländern gegen die Verfolgung der in der Volksrepublik China seit 1999 verbotenen Kultbewegung protestieren. Unter den Demonstranten waren vier Schweizer, acht Deutsche, fünf Schweden, sowie Franzosen, Briten, Kanadier, US-Amerikaner und Australier.

Falun Gong
Die Bewegung Falun Gong, die 1992 von dem in den USA lebenden "Meister" Li Hongzhi gegründet wurde, verbindet traditionelle chinesische Meditationsübungen mit Elementen aus buddhistischen und taoistischen Lehren. Die chinesische Regierung hatte Falun Gong im Juni 1999 nach einer Massendemonstration verboten. Li Hongzhi wurde auch die Verbreitung rassistischer Theorien vorgeworfen. Er soll seine Gruppe wie eine klassische chinesische Geheimgesellschaft organisieren. Von Mitte 1999 bis August 2001 sollen mehr als 100.000 Falun-Gong-Praktizierenden in China inhaftiert, mehr als 20.000 in Zwangsarbeitslager gesteckt worden sein.

Aus der Haft berichtete ein Schweizer über sein Mobiltelefon, es seien 33 Falun-Gong-Anhänger inhaftiert. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, 35 "demonstrierende Ausländer" seien abgeführt worden, "da ihr Verhalten chinesische Gesetze über Umzüge, Demonstrationen und Kulte verletzt hat".

Demonstranten tarnten sich als Touristen
Die Kultanhänger hatten sich zunächst etwa eine Viertelstunde lang wie Touristen zum Gruppenfoto im Zentrum des riesigen Platzes südlich der Verbotenen Stadt aufgebaut. Dann enthüllten sie ein gelbes Banner. Sie hatten auch Blumen in der chinesischen Trauerfarbe Weiß mitgebracht. Das übliche massive Polizeiaufgebot auf dem Platz, auf dem sich das Mao-Mausoleum befindet, schritt sofort ein. Polizisten in Uniform und Zivil rannten von allen Seiten herbei, Kleinbusse und Polizeiwagen rollten an.

Einige Demonstranten leisteten Widerstand, als sie in die Busse gedrängt wurden. Einige ließen sich wegtragen. Anders als gegen chinesische Falun-Gong-Anhänger gingen die Polizisten aber mit relativer Vorsicht vor.

Zu den vorübergehend festgenommenen Journalisten gehörten außer dem Korrespondenten des Ersten Deutschen Fernsehens ARD, Stefan Niemann, ein Kameramann des US-Nachrichtensenders CNN. Die Kamera der ARD und das Filmmaterial wurden konfisziert. Das Schicksal der ebenfalls festgenommenen fotografierenden vier Touristen aus Schweden, Dänemark und Amerika war zunächst ungeklärt. Sie wurden von den Journalisten getrennt.

Festgenommene werden abgeschoben
Die Falun-Gong-Anhänger werden nun schnellstmöglich aus China abgeschoben. Der Staatsrundfunk berichtete, dass sie verwarnt und angewiesen worden seien, die Volksrepublik innerhalb einer bestimmten Frist zu verlassen.

20.11.2001 12:59