Verstrahlung der irischen See befürchtet

Irland hat Großbritannien vor dem Internationalen Seegerichtshof in Hamburg wegen befürchteter Verstrahlung des Meeres durch die englische Wiederaufbereitungsanlage Sellafield verklagt. Das Gericht soll eine Einstweilige Verfügung gegen den Betrieb einer Fabrik zu Verarbeitung des hochgiftigen Plutoniums auf dem Gelände erlassen.
Die britische Regierung wies den Antrag am Montag umgehend zurück.
Die Regierung in Dublin befürchtet, dass das Meer zwischen den beiden Inselstaaten durch atomare Abfälle weiter vergiftet werden könnte. In der Klage wies der irische Generalstaatsanwalt Michael McDowell darauf hin, dass die Irische See zwischen beiden Staaten das am schwersten mit radioaktiver Strahlung verseuchte Gewässer der Welt sei. Irland habe darum eine Einstweilige Verfügung gegen den Betriebsbeginn für die so genannte MOX-Fabrik beantragt. In der Anlage soll Plutonium mit Uran zu neuen Brennstäben verarbeitet werden. Irland befürchtet dadurch eine weitere Strahlenbelastung für das Meer.
Seit den 50er-Jahren mit Radioaktivität gearbeitet
"In diesem Prozess geht es darum, die Irische See von weiterer radioaktiver Verschmutzung zu schützen", sagte McDowell vor dem Seegerichtshof. Nach seinen Angaben stammt der größte Teil der Radioaktivität in der Irischen See aus Sellafield. In dem Ort an der britischen Westküste wird seit den fünfziger Jahren mit radioaktiven Stoffen gearbeitet. Im Lauf der Jahre entstand dort die neben dem französischen La Hague wichtigste europäische Anlage zur Aufarbeitung von abgebrannten Brennstäben.
Vor dem Hamburger Seegerichtshof bedauerte die Irische Delegation, dass Großbritannien nicht auf die Sorgen der Iren eingegangen sei. Die Betriebsentscheidung sei gefallen, "ohne zumindest die Höflichkeit zu besitzen, das vorher mit Irland zu besprechen", klagte McDowell. Irland verlangt die Einsetzung eines UNO-Sondergerichts, das den Streit endgültig schlichten soll.
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