Montag, 19. November 2001

Großereignis für Japan: Bub oder Mädchen?

Keine bunten T-Shirts, keine Medienspektakel weisen darauf hin, dass Japan sich auf ein Großereignis vorbereitet: die Geburt des ersten Kindes von Kronprinz Naruhito und seiner Frau, Prinzessin Masako. Nur über das Geburtsdatum wird öffentlich spekuliert - am Freitag oder Samstag soll es so weit sein.

Über Details wird respektvoll geschwiegen. Dabei gibt es ein Thema, das die Nation brennend interessiert: Das Geschlecht des kaiserlichen Nachwuchses.

Nur Männer dürfen Kaiser werden
Denn der japanische "Chrysanthemen-Thron" ist laut Gesetz Männern vorbehalten. Was also, wenn das Kronprinzen-Paar ein Mädchen bekommt? Hinter vorgehaltener Hand wird bereits über eine Gesetzsänderung spekuliert. Eine Frau auf dem japanischen Thron wäre keineswegs eine Neuheit. Bereits zehn Kaiserinnen haben Japan regiert.

Gesetzesänderung diskutiert
Erst 1889 wurde das Gesetz eingeführt, das nur männliche Thronfolger zulässt. Der Tokioter Historiker Shinobu Oe ist für eine Gesetzesänderung: "Eines Tages wird es einen Kaiser geben, der keinen männlichen Erben hat", meint er. Der Chefstratege der in Japan führenden liberaldemokratischen Partei, Taro Aso, hält dagegen nichts von einer voreiligen Änderung. Schließlich könne man die Geburt eines Buben auch bei Masako und Naruhito nicht prinzipiell ausschließen.

In Zeiten der Monogamie ist die Wahrscheinlichkeit, einen Buben zu gebären, allerdings kräftig gesunken. Bis zum Jahre 1926 halfen noch die Mätressen der japanischen Kaiser tüchtig bei der Zeugung des royalen Nachwuchses mit. Aber das japanische Volk ist gar nicht so streng mit seinen Monarchen: Laut einer Umfrage können sich 55,2 Prozent der Japaner auch eine Frau auf dem Thron vorstellen. Nur 7,9 Prozent sind ausdrücklich dagegen, wie etwa die 46-jährige Hausfrau Junko Kimura. Sie fühlt sich "sicherer, wenn ein Mann als Kaiser nachrückt". Schließlich sei sie mit der derzeitigen patriarchischen Kaiserfamilie aufgewachsen und kenne es nicht anders.

Aber das wichtigste ist für das japanische Volk jetzt, die Geburt hinter sich zu bringen. Zu viel Aufregung ist da nicht angebracht, damit nicht noch etwas schiefgeht. Immerhin hat Prinzessin Masako bereits vor zwei Jahren eine Fehlgeburt erlitten. Die Schuld wurde damals der landesweiten Hysterie gegeben, die aus der Schwangerschaft ein Medienspektakel machte.

19.11.2001 09:48