Sonntag, 18. November 2001

Hartnäckige Verletzung verhindert Comeback

Eine der besten und erfolgreichsten Tennis-Spielerinnen Österreichs stellt für immer ihr Racket in die Ecke. Barbara Paulus, die im zarten Kindesalter von neun Jahren ihre Freude an dem Sport entdeckt hatte, beendete ihre 15-jährige Profi-Karriere. Grund ist der Ellbogen des rechten Schlagarms, der nicht mehr mitspielte.

Das hartnäckige Probleme war in den vergangenen Jahren zu ihrem ständigen Begleiter geworden, jetzt zog "Babsi die Erste" daraus die Konsequenz.

Langer Kampf um ein Comeback
Den letzten Turnier-Auftritt absolvierte die 31-jährige Niederösterreicherin am 31. August 1998, als sie in der ersten Runde der US-Open gegen die Französin Nathalie Dechy 2:6,5:7 verlor. Danach hatte sie wegen ihrer Ellbogen-Probleme eine Auszeit nehmen müssen. So wie die Maturantin auf dem Court gegen ihre Rivalinnen gekämpft hat, so gab sie auch gegen die Verletzung lange nicht w.o. Paulus unternahm alles, um wieder fit zu werden. Noch zu Jahresbeginn war dafür extra mit ihrem Trainer Peter Eipeldauer nach Florida zum Training übersiedelt.

Erste Top-10-Spielerin Österreichs
"Es wollte einfach nicht sein, das Schicksal meint es mit mir anders", sagt die mehrfache ÖTV-Meisterin. Als große Erinnerung bleibt ihr aber, dass sie schon ein Mal das großartige Comeback geschafft hat. Nachdem sie 1992/93 Verletzungen am Knie und den Handgelenken zu einer Pause verurteilt hatten, ging's steil bergauf: Die Hinterbrühlerin avancierte im November 1996 zur ersten Österreicherin, die als Zehnte der Damen-Weltrangliste unter den Top Ten aufschien. "Das war meine schönste Zeit, weil da war ich besser als vor der Pause", erinnert sich Babsi. Erst 1999 löschte Barbara Schett als "echte" Top-Tennerin den Paulus-Rekord, die auch deswegen als Nummer zehn aufgeschienen war, weil Monica Seles damals als Co-Nummer eins "eingefroren" war.

Erfolgreiche Karriere
1996 wurde Paulus von den Sportjounalisten auch zur zweitbesten österreichischen Sportlerin des Jahres sowie 1990, 1995 und 1997 zur niederösterreichischen Sportlerin des Jahres gewählt. Zu den schönsten Stunden der aktiven Laufbahn zählt der Südstadt-Sprössling weiters die zwei Teilnahmen an den Olympischen Sommerspielen 1988 in Seoul und 1992 in Barcelona. Auf ihrer Visitenkarte steht daneben auch ein halbes Dutzend Turnier-Erfolge auf der Grand Prix-Tour (jetzt WTA) sowie die zweimalige Teilnahme am WTA-Masters in New York (1990,1996). Dazu war sie Mitglied des Fed-Cup-Teams. Über 20 Millionen Schilling Preisgeld verdiente sie in der von vielen Verletzungspause gezeichneten Karriere.

Ungewisse Zukunft
Das alles hat sie sich selbst erarbeitet und erspielt, aber sie weiß auch genau: "Ohne die vielen Leute, die mich während meiner Karriere begleitet und unterstützt haben, hätte ich das nicht erreicht. Mein Dank gilt daher ihnen", sagt die sympathische Paulus, die sich bis zuletzt zu 100 Prozent um ihre neuerliche Rückkehr bemüht hat und daher jetzt noch nicht weiß, was sie in Zukunft tun wird. "Darüber habe ich nicht nachgedacht. Trainerin werde ich sicherlich nicht. Ich genieße jetzt meine Freizeit, auf der Tour habe ich nur aus dem Koffer gelebt und nur Tennis im Kopf gehabt". Im kommenden Frühjahr soll es auf jeden Fall in den Urlaub nach Florida gehen.

18.11.2001 17:54