Euro wird keine Auswirkung auf Zahlungsmoral haben

Konjunkturschwäche und restriktivere Kreditvergabe belasten
die österreichischen Unternehmen. Daher befürchtet der Geschäftsführer des Kreditschutzverbandes von 1870 (KSV) eine weitere Verschlechterung der Zahlungsmoral in Österreich. Lange Wartezeiten gibt es auch, wenn man Geld von der öffentliche Hand bekommen soll.
Österreichs Unternehmen seien ohnehin bekannt für eine schwache Eigenkapitalausstattung. In Kombination mit den restriktiveren Kreditvergaben seitens der Banken könnte die Zahlungsmoral deutlich belastet werden. Daher sollte in Zeiten wie diesen die Wirtschaft auch nicht durch "Maßzahlen der Regierung unter Druck gebracht" werden. "Wir sollten uns neuerliche Belastungen überlegen", so Nejedlik am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.
Im Vergleich zum Vorjahr hat sich das Zahlungsverhalten in Österreich leicht verschlechtert. Nach einer im Juli und August vom KSV durchgeführten Umfrage werden Rechnungen nach durchschnittlich 42 Tagen bezahlt, wodurch sich ein durchschnittlicher Zahlungsverzug von 17 Tagen ergibt. Das entspricht einem Plus von zwei Tagen gegenüber 2000. Im europäischen Vergleich schneidet Österreich aber dennoch "außerordentlich" gut ab: die Zahlungsdauer in der EU liegt im Schnitt bei 54 Tagen, Trend steigend.
Nach einer für 2001 eher optimistischeren Prognose sehen heuer 42 Prozent der 20.000 KSV-Mitlgieder für das Jahr 2002 eine Verschlechterung der Zahlungsmoral. Die österreichischen Firmen seien aber deshalb keine Euro-Skeptiker, denn 81 Prozent der Unternehmen seien der Ansicht, dass der Euro keine Auswirkungen auf die Zahlungsmoral haben werde.
Die schlechte Zahlungsmoral der öffentlichen Hand bestehe nach wie vor, berichtet der Leiter der KSV-Inkassodienste, Gerald Waffek. Während 68 Prozent der vom KSV befragten Unternehmen angeben, geschäftliche Erfahrungen mit öffentlichen Auftraggebern zu haben, klagen 42 Prozent davon über eine Überschreitung des Zahlungszieles seitens des Staates. "Der Staat sollte überhaupt keinen Zahlungsverzug haben, sondern mit einer Vorbildwirkung voran gehen", sagte Nejedlik in diesem Zusammenhang.
Sowohl im gewerblichen als auch im privaten Sektor spricht ein Drittel der Befragten von einer Verschlechterung der Zahlungsmoral im Vergleich der Jahre 2000 und 2001, nur etwas mehr als zehn Prozent sieht eine Verbesserung. Spezielle Problembereiche seien auch heuer wieder neben dem Bau- und Baunebengewerbe die Gastronomie. Am längsten auf sein Geld wartet man im Sektor Uhren/Schmuck/Photo.

