Bank Austria-Tochter MC Marketing kauft Lion.cc
Der Verkauf der Libro-Internettochter Lion.cc an die Bank Austria-Tochter MC Marketing ist über die Bühne. Lion-Vorstand Heinz Lederer hat das Kaufangebot der Bank Austria-Tochter angenommen. Verkauft wurde das Anlagevermögen von Lion.cc samt Marke, Portal und den E-Commerce-Kundenstock von 250.000 registrierten Usern.
Nicht übernommen wird die "Firmenhülle", das Unternehmen soll nach dem Verkauf der Assets liquidiert werden, hieß es am Dienstag in einer Presseinformation von Libro. Seine zuletzt rund 74 Mitarbeiter hat Lion.cc wie berichtet bereits im September gekündigt.
Der Kaufpreis für Lion.cc wurde nicht bekannt gegeben. Wie viel neues Kapital der Verkauf von Lion für die Deckung der Gläubigerforderung bei der in Ausgleich befindlichen Libro eingebracht hat, bleibt damit unklar.
MC Marketing-Gechäftsführers und Miteigentümer Hans Jörg Finsterer dämpft allerdings die Erwartungen: "Was wir übernommen haben, ist ein mittelgroßes Buchgeschäft." Den Kauf hat das Unternehmen, das nach eigenen Angaben "nicht nur operativ Geld verdient", zu 100 Prozent aus dem eigenen Cash-Flow finanziert.
Der Kaufvertrag wird erst mit der kartellrechtlichen Genehmigung des Deals wirksam. Bis zu diesem Zeitpunkt hat Lion.cc die Auslieferung von Bestellungen zugesichert.
Bis Ende des Monats plant der neue Eigentümer von Lion.cc nun einen kompletten Relaunch des Lion-Portals. Dabei soll der Shoppingbereich weiter ausgebaut werden - mit neuen Produkte und neuen Zahlungsmöglichkeiten. Den "Community-Bereich" hingegen will MC Marketing "downsizen, weil dieser Teil nicht wirtschaftlich zu führen ist", sagte Finsterer zur APA. Den Break-Even für Lion.cc will er damit bereits in den nächsten drei Monaten erreichen.
MC Marketing will sich dabei aber ausschließlich auf den Betrieb der E-Commerce-Plattform konzentrieren. Als Betreiber der größten Ticket-Plattform Österreichs "http://www.clubticket.at" und als bisher einziger E-Commerce-Anbieter ohne Zahlungsausfälle bringe das Unternehmen hier die notwendigen Erfahrungen mit. Nicht selbst betreiben will MC Marketing hingegen das "Fullfillment" für die neuen Warengruppen - etwa den Büchereinkauf. Hier will man Kooperationen eingehen, Verhandlungen seien aber noch im Laufen, so Finsterer.
Nicht verhandelt wird laut Angaben des Geschäftsführers hingegen der Einstieg eines neues Eigentümers - auch nicht der Telekom Austria (TA) - bei MC Marketing selbst. Zwar gebe es viele Interessenten, da MC Marketing eine "erfolgreiche Firma" sei, im Moment sei aber "weder eine Änderung in der Gesellschafterstruktur noch in der Struktur der Kapitalgesellschaft geplant".
Eine Kooperation mit der Telekom Austria schloss Finsterer aber nicht aus: "Wenn wir die Möglichkeit bekommen, mit dem Marktführer zu kooperieren, werden wir das sicher tun." Derzeit gebe es aber noch keine konkreten Gespräche. Die Telekom Austria, die im April dieses Jahres die Lion-Internetkunden übernommen hatte, hat gegenüber der APA aber bereits erklärt, auch mit dem neuen Eigentümer kooperieren zu wollen.
Die MC Marketing entstand aus der 1997 von der Bank Austria abgespalteten Megacard Veranstaltungsmarketing GmbH, in der die Aktivitäten um Kundenkarten für Jugendliche zusammengefasst waren. Später wurden die Aktivitäten des Club Bank Austria hineinfusioniert und das Unternehmen in MC Marketing umbenannt. Das Unternehmen machte zuletzt nach Angaben von Geschäftsführer Finsterer unter anderem mit Online-Ticketverkauf rund 130 Mill. S Umsatz und beschäftigt 43 Mitarbeiter.

