Dienstag, 2. Oktober 2001

Bei Compaq Deutschland sind 450 Jobs gefährdet

Generelle Wirtschaftsschwäche, "brutaler Preiskampf" und die Auswirkungen der Terroranschläge haben beim weltweit zweitgrößten PC-Hersteller Spuren hinterlassen. Das US-Unternehmen musste jetzt eine Gewinnwarnung aussprechen.

Compaq Computers Inc. rechnet für das dritte Quartal mit einem operativen Verlust und einem Umsatz, der ebenfalls unter den Erwartungen der Analysten liegen wird.
Experten hatten einen Gewinn in Höhe von fünf Cents je Aktie und einen Umsatz von 8,2 Mrd. Dollar vorausgesagt. Compaq selbst hatte im Juli noch einen Wert von acht bis 8,4 Mrd. Dollar in Aussicht gestellt.

Zur Begründung führte das Unternehmen, das Anfang September das Zusammengehen mit dem Konkurrenten Hewlett-Packard (HP) angekündigt hatte, unter anderem die Anschläge in den USA am 11. September an. Diese hätten dem Geschäft ebenso geschadet wie ein Taifun, unter dem wichtige Zulieferer in Taiwan gelitten hätten.

"Die aus den genannten Ereignissen resultierenden Herausforderungen wurden unterstrichen durch die Tatsache, dass sie im letzten Monat des Quartals auftraten, in dem wir üblicherweise bis zu 50 Prozent des Quartalsumsatzes einfahren", sagte Compaq-Finanzvorstand Jeff Clarke in einer Telefonkonferenz. Die Ankündigung der Fusion mit HP habe zudem bei Kunden wie Beschäftigten zu einer abwartenden Haltung geführt. Darüber hinaus nannte Compaq Belastungen in Höhe von 500 Mill. Dollar (548 Mill. Euro/7,541 Mrd. S) im Zusammenhang mit seiner Beteiligung an der Internet-Holding-Firma GMGI Inc.

Compaq-Chef Michael Capellas verglich das Quartal mit "dem vollkommenen Sturm". "Ganz offenkundig hatten wir bereits eine Schwäche in der gesamten Wirtschaft und einen wirklich brutalen Preiskampf, der die Angebots- und Nachfrageseite betraf, aber es gab einen einfach unglaublichen Effekt durch verlorene Produktivität und fast ein Chaos im Transportsystem", sagte er weiter. Für das vierte Quartal machte Capellas keine großen Hoffnungen. "Der Blick nach vorne ist besonders schwierig", sagte er.

Die Compaq-Aktien fielen nachbörslich auf dem elektronischen Handelssystem Instinet um acht Prozent auf 7,70 Dollar. Zuvor waren die Papiere mit einem Aufschlag von zwei Cents auf 8,33 Dollar aus der regulären Sitzung gegangen.

Compaq Deutschland: 450 Jobs gefährdet
Die deutsche Tochter des US-Computerkonzerns Compaq will nach den Angaben ihres Gesamtbetriebsratschefs Christian Brunckhorst weitere 450 Stellen abbauen. Ein Compaq-Sprecher sagte, er könne das nicht bestätigen. Seines Wissens gehe es weiter um 314 Stellen, die in Deutschland abgebaut werden sollten. Compaq hatte wegen der schwachen Marktlage bereits Ende Juli den Abbau von gut 300 Stellen in Deutschland angekündigt. Der Betriebsrat verhandelt derzeit mit der Geschäftsleitung über den Abbau. Am Donnerstag würden die Gespräche fortgesetzt, sagte Brunckhorst. "Dann wird sich zeigen, ob wir eine Lösung finden, oder ob von außen der Druck noch steigt", sagte er. Bisher sei man auf dem Weg, eine Lösung zu finden. "Die Belegschaft ist aber wild entschlossen und würde auch streiken", fügte er hinzu.

Kein Stellenabau bei Compaq Österreich
In Österreich wird es vorerst keinen Stellenabbau geben. "Dazu gibt es keine Pläne", sagte der hier zuständige Personalchef Gerhard Zimmermann. Der Personalabbau in Deutschland sei vermutlich auf die schlechten wirtschaftlichen Bedingungen zurückzuführen. Österreich sei in einer vergleichsweise besseren Situation.

2.10.2001 14:15