Montag, 1. Oktober 2001

Personalabbau durch Fusionierung

Die deutschen Großbanken forcieren ihren Stellenabbau und wollen ihren Personalstand um rund 20.000 Mitarbeiter reduzieren. Nicht zuletzt durch weitere Fusionen. So verhandeln etwa Commerzbank, Dresdner und Deutsche Bank über eine Fusion ihrer Hypothekenbank-Töchter.

Die deutschen Großbanken forcieren offenbar ihren Stellenabbau und werden bis 2003 ihr Personal wohl um rund 20.000 Mitarbeiter reduzieren. Allein die Commerzbank will nach Informationen aus Bankenkreisen jede zehnte Stelle streichen und damit ihre Mitarbeiterzahl um rund 4.000 senken. Erst vor knapp zwei Wochen hatte die Dresdner Bank erklärt, sie wolle bis 2003 zusätzlich rund 1.300 Arbeitsplätze streichen.

Zu den bei der Commerzbank offenbar anstehenden Stellenstreichungen hieß es in den Unternehmenskreisen weiter, dass die Kosten wegen der Abfindungszahlungen frühestens 2002 sinken dürften. "Vor 2002 oder 2003 wird sich das in der Bilanz nicht positiv niederschlagen." Ende September hatte Bankchef Klaus-Peter Müller von einer "Rosskur" für das Geldinstitut gesprochen und Stellenstreichungen erstmals nicht mehr ausgeschlossen.

Als erste der deutschen Großbanken hatte die zum Allianz-Konzern gehörende Dresdner Bank vor zwei Wochen angekündigt, sie wolle über das bereits bekannte Maß hinaus rund 1.300 Stellen abbauen - vor allem in Deutschland. Damit würden bis 2003 rund 7.800 der weltweit rund 50.000 Arbeitsplätze bei der Dresdner abgebaut. Die Anschläge in den USA vom 11. September würden nach den Worten von Dresdner-Chef Bernd Fahrholz auch das Ergebnis der Bank 2001 belasten. "Die ganze Branche ist betroffen. Wir haben alle vergeblich gehofft, dass nach dem schwachen Start die Kapitalmärkte 2001 aufleben. Die Provisionseinnahmen werden sinken, und weniger Investitionen bedeuten weniger Kredite", hatte Fahrholz in einem Magazin-Interview gesagt.

Bei der Deutschen Bank stehen nach Aussagen von Konzernchef Rolf Breuer aus der vergangengen Woche keine zusätzlichen Stellenstreichungen an. Anfang Februar hatte das Institut mitgeteilt, bis 2003 sollen 2.600 - davon 1.400 in Deutschland - der konzernweit 97.000 Stellen abgebaut werden. Im August hatte Breuer diese Zahlen auf der Halbjahrespressekonferenz bekräftigt.

Die HypoVereinsbank will nach früheren Angaben bis 2003 deutlich mehr als 5.500 ihrer 72.000 Arbeitsplätze abbauen. Noch offen ist allerdings das Gesamtvolumen der Streichungen im Privatkundengeschäft. Ausgehend von den erwarteten Einsparungen von 400 bis 500 Mill. Euro (6,9 Mrd. S) jährlich gehen Branchenkenner von bis zu 3000 wegfallenden Arbeitsplätzen in den Filialen und in der Hauptverwaltung aus. Fest steht der Abbau von jeweils 2.000 Stellen durch konzerninterne Fusionen in Österreich und Polen und von rund 800 durch die bereits vollzogene Zusammenlegung von drei Hypothekenbanken im Konzern.

Unterdessen verhandeln Commerzbank, Dresdner und Deutsche Bank nach Angaben der Commerzbank weiter über eine Fusion ihrer Hypothekenbank-Töchter. Ein Sprecher der Bank wies am Montag Medienberichte vom Wochenende zurück, die Gespräche würden von der schwachen Ertragslage der Commerzbank belastet. "Da ist nichts Wahres dran. Die Gespräche laufen weiter, und wir sind zuversichtlich, dass es einen positiven Abschluss geben wird. Unter Berufung auf Finanzmarktkreise hatte die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" berichtet, womöglich legten nur noch Deutsche und Dresdner Bank ohne die Commerzbank ihr Hypothekengeschäft zusammen.

Commerzbank-Vorstandsmitglied Wolfgang Hartmann hatte am Donnerstag gesagt, dass die Entwicklung der Weltwirtschaft und das schwache Börsenumfeld das Ergebnis der Bank im laufenden Jahr belasten werden. Die Commerzbank-Tochter Rheinhyp und die Deutsche-Bank-Tochter Eurohypo sollen dem Vernehmen nach auf die Deutsche Hyp der Dresdner Bank verschmolzen werden, da diese als einziges der drei Spezialinstitute über eine Vollbanklizenz verfügt.

1.10.2001 17:21